Donnerstag, 30. Mai 2013

Monatsverlosung: Mai

Hallo ihr Lieben,

heute startet meine erste Monatsverlosung meines ersten Leseeckenmonats. Inspiriert wurde das Ganze durch die Aktion "Blogger schenken Lesefreude" zum Welttag des Buches 2013, die ich wirklich klasse fand und so auf meinem Blog ein wenig fortleben lassen möchte.
Wenn man auf den Mai zurückschaut, habe ich einige gute, aber auch weniger gute Bücher gelesen und ich möchte gerne einem von euch ein bisschen Lesefreude schenken, die in einem Buch steckt, das mir selbst Lesefreude bereitet hat.

Deshalb habe ich mich diesen Monat für die Taschenbuchausgabe des ersten Bandes der Unkrautland-Reihe entschieden:

"Das Unkrautland - Auf den Spuren der Nebelfee" von Stefan Seitz


Klappentext:

"Dann ließ Primus den Stein plötzlich los. Primus traute seinen Augen nicht. Der Stein fiel nicht krachend zu Boden, sondern schwebte frei im Raum wie von einer unsichtbaren Hand getragen."

Primus lebt in einem Turm am Rande des Finsterwaldes. Er kann sich, wann immer er will, in eine Fledermaus verwandeln. Als er auf die Hexe Plim trifft, macht er sich mit ihr auf die Suche nach einer geheimnisvollen Mondsichel, die übernatürliche Kräfte verspricht. Und eher er sich versieht, steckt Primus mitten in einem gefährlichen Abenteuer - Auge in Auge mit dem finsteren Ruven Rabenstein.
Ich habe dieses Buch für euch ausgesucht, weil mir die Charaktere dieser Geschichte so unwahrscheinlich gut gefallen haben. Jede Figur erhält in diesem Buch seinen eigenen Platz, seine eigene Geschichte, seine eigenen Eigenschaften. Wir haben den in der Uhr lebenden Bucklewhee, den auf dem Komposthaufen lebenden dicken Kürbis Snigg, die absolut überdrehte Hexe Plim oder die Vogelscheuche Chuck. Mehr über das Buch und seine Geschichte, könnt ihr gerne auch in meiner Rezension des Buches lesen: "Das Unkrautland"

Was müsst ihr tun um mitzumachen?

Nein, ihr müsst kein Mitglied meiner Seite werden, außer ihr wollt es!
Nein, ihr müsst nichts auf Facebook teilen, außer ihr wollt es!
Und nein, ihr müsst nichts drücken, liken oder sonstetwas - außer ihr wollt es!

Alles was ich von euch brauche, ist einen Kommentar mit einer Antwort auf die Frage, warum ihr das Buch gewinnen möchtet. Ein bisschen neugierig bin ich ja doch :)

Damit ich euch erreichen kann, solltet ihr nicht vergessen, eure E-Mailadresse mit anzugeben. Wenn ihr sie nicht öffentlich posten möchtet, könnt ihr mir diese selbstverständlich auch in einer persönlichen Nachricht bei Facebook zukommen lassen:

Lilas lauschige Leseecke bei Facebook

Verlosungszeitraum:

30.05.13 - einschließlich 06.06.13

Gewinnerbekanntgabe erfolgt am 07.06.13

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Ich wünsche euch viel Spaß bei meiner ersten monatlich stattfindenden Verlosung und bin gespannt auf eure Antworten :)

Liebe lila Lesegrüße
Iris



Rezension: Stuart Horten - Sieben Rätsel und ein magischer Stern (Lissa Evans)






Titel: Stuart Horten - Sieben Rätsel und ein magischer Stern
Verlag: mixtvision Verlag
Hardcoverausgabe mit 370 Seiten
ISBN 978-3-939435747
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis: 13,90 Euro







Klappentext: 

"Ganz schön spannend!" ZEIT leo

Du hast meine Werkstatt gefunden, aber willst du sie auch behalten? Wenn du wirklich der Besitzer dieser Illustionen werden willst, dann benutze den Stern, um die Buchstaben zu finden.

Stuart Horten hat die Zauber-Werkstatt seines Großonkels entdeckt, doch nun muss er das verschollene Testament des Magiers finden. Eine rätselhafte und abenteuerliche Suche beginnt!

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Zur Rezension von Stuart Horten Band 1 hier klicken: Band 1

Story und Charaktere:

Nachdem der für sein Alter sehr kleine, 10 Jahre alte Stuart Horten im ersten Band das Rätsel um den Standort der Magierwerkstatt seines Großonkels Kenny gelöst hat, muss er sich in Band 2 mit den Geheimnissen der Illusionen auseinandersetzen, die in eben dieser Werkstatt versteckt waren.
Mit Hilfe eines siebenzackigen Sterns, den er zufällig bei der Erkundung der Illusionen findet, macht er sich daran, zusammen mit seiner Freundin April herauszufinden, was sich hinter den sieben Stücken verbirgt, die jetzt im Museum der Stadt Beeton vorübergehend gelagert werden.
Das Abenteuer, das sich im ersten Band zum Ende hin als wirklich magisch erwies, geht jetzt in die zweite magische Runde. Ab jetzt ist nichts mehr, wie es zu sein scheint. Ein Rätsel jagt das nächste – und das ist nicht immer ganz ungefährlich. Doch wenn Stuart beweisen will, dass ihm die Stücke wirklich gehören, muss er sich den Aufgaben stellen, die ihn erwarten, denn nur dann ist er in der Lage, das Testament seines Großonkels zu finden und allen zu zeigen, dass er von Anfang an Recht hatte.

Der erste Band der Reihe hat uns ein realistisch anmutendes Abenteuer rund um Stuart Horten und seinen Großonkel Kenny präsentiert, das ein magisches Finale hatte, von dem ich nicht ganz überzeugt war. Hätte ich allerdings vorher gewusst, das aus diesem ersten Abenteuer ein zweites, absolut magisches Abenteuer hervorgeht, hätte ich das mit Sicherheit nicht am ersten Band kritisiert. In Band 2 sehen wir uns einem noch rasanteren und kniffligeren Abenteuer gegenüber als in Band 1. Ich muss sagen, dass sich die Autorin, die einen wirklich tollen ersten Band geliefert hat, in Band 2 sogar noch gesteigert hat.

Wer Band 2 liest, hat sicherlich auch Band 1 gelesen, sodass ich nicht allzu viel zu den Charakteren sagen muss. Sehr gut gefallen hat mir, dass der immer in langen Fremdwörtern sprechende Vater in diesem Band eine echte Aufgabe bekommen hat und sogar Teil des Abenteuers wurde, das sein Sohn mit April zusammen erlebt. Ganz entgegen seiner sonstigen Art der Kommunikation ist er gezwungen, plötzlich in einfachen Sätzen zu sprechen. Gar nicht so leicht wie sich herausstellen soll. Obwohl sich Stuart vor dieser Sache gewünscht hätte, dass sein Vater in eben solchen Sätzen spricht, möchte er danach gar nichts mehr an seinem Vater ändern und ist froh, als die langen Wörter wieder Verwendung in der Sprache seines Vaters finden. Eine witzige, humorvolle Art eine Nachricht an den Leser zu vermitteln, der sich mit Sicherheit auch manchmal wünscht, dass jemand in seiner Umgebung doch eigentlich ganz anders sein könnte. Diese Stelle liest sich mit einem Augenzwinkern, das mir mehr als ein Schmunzeln entlockt hat.

Stuart und April bleiben sich selbst treu. Sie sind in Band 2 klar wiedererkennbar und wurden weiter ausgearbeitet. Die Rolle die April im Trio der Drillinge spielt, wird beispielsweise sehr schön herausgearbeitet, sodass auch die Nebenfiguren May und June aus Band 1, eine klarere Charakterkontur erhalten. Es geht dem Leser im Grunde genommen wie Stuart – es fällt immer leichter, die Drillinge auseinanderzuhalten.
Auch Clifford, der in Band 1 noch der naive Anhänger der Bürgermeisterin war, die auf wundersame Weise verschwand, erhält im zweiten Band seinen eigenen Raum, sodass er als sympathischer Nebencharakter plötzlich viel präsenter ist. Er durchlebt einen Wandel seiner selbst, der ihn in eine Richtung bringt, die auch den Kindern sehr gut gefällt.

Selbstverständlich werden auch ein paar neue Figuren eingeführt, doch wer das ist, das möchte ich hier nicht vorwegnehmen.

Was mir besonders gut gefallen hat:

Auch in diesem Band orientiert sich die Autorin am Alter ihrer Leser, wodurch ihr Schreibstil durch kurze und vor allem einfache Sätze besticht. Die Kapitel wurden, wie in Band 1, ebenfalls wieder kurz gehalten, sodass ohne Probleme eine Leseunterbrechung nach einigen Seiten eingelegt werden kann, ohne mitten im Kapitel stoppen zu müssen.
Besonders gefällt mir, dass Band 2 praktisch nahtlos an Band 1 anknüpft und man sich nicht erst neu zurechtfinden muss. Die Autorin ist ihren Charakteren treu geblieben, verändert sie nicht und schafft es dadurch den Eindruck zu erwecken, als hätte man Band 1 nie aus der Hand gelegt.
Klar erkennbar ist, dass die Autorin am ersten Band gewachsen ist. Sie spielt noch besser mit spannungsvollen Szenen, verknüpft die einzelnen Charaktere noch effizienter und scheint ein noch besseres Gefühl für den Verlauf einer rasanten Geschichte entwickelt zu haben. Ich jedenfalls finde, dass sie sich gegenüber Band 1 schreibtechnisch gesteigert hat.

Gestaltung:

Band 1 war in den Farben Creme und Schwarz gehalten. Dieses Mal finden die Farben Blau und Schwarz Verwendung. Die beiden Kinder, die vor einem dreieckigen Etwas zwischen einigen Ranken und über einem ausgebreiteten Fächer mit Stern in der oberen Mitte stehen, unter dem sich wiederum ein Stuhl befindet, aus dem die Ranken herauszuwachsen scheinen, machen im Gesamtbild erst wieder wirklich Sinn, wenn man das Buch gelesen hat. Eigentlich puzzelt sich das Coververständnis während des Lesens von selbst zusammen. Das ist auch das, was das erste Cover bereits ausgemacht hat.

Wertung:

Da mir auch hier einfach alles am Buch zugesagt hat und ich es zum Teil sogar noch besser fand als Band 1, vergebe ich wie an seinen Vorgänger gerne wieder 5 Lila-Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.


Montag, 27. Mai 2013

Rezension: Stuart Horten - Acht Münzen und eine magische Werkstatt (Lissa Evans)





Titel: Stuart Horten – Acht Münzen und eine unglaubliche Werkstatt
Reihe: Band 1 der Reihe „Stuart Horten“
Hardcoverausgabe mit 295 Seiten
ISBN 978-3-939435-53-2
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Preis: 13,90 Euro






Klappentext: 

Ich muss weg, und es kann sein, dass ich nicht mehr zurückkehre. Wenn ich nicht wiederkomme, gehört meine Werkstatt und alles, was sich darin befindet, dir – wenn du sie finden kannst.

In einer Schatulle seines Großonkels findet Stuart diesen Hinweis und acht alte Münzen. Stuart macht sich sofort auf die Suche! Die Münzen passen in acht alte Automaten, die Stuart auf mysteriöse Weise den Weg zeigen. Alles nur Zaubertricks oder echte Magie?

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Story und Charaktere:

Der 10jährige für sein Alter viel zu kleine Stuart Horten hat es nicht leicht. Gerade beginnen die Sommerferien und seine Eltern stellen ihn vor vollendete Tatsachen - sie werden umziehen. Da seine Mutter einen Job angeboten bekommen hat, der über 100 Kilometer entfernt liegt und der Weg somit zu weit wäre, um ihn jeden Tag zu fahren, wird beschlossen, in die alte Heimatstadt seines Vaters zu ziehen, die zufällig in der Nähe des Krankenhauses liegt, wo Stuarts Mutter anfangen kann zu arbeiten. Klar, dass Stuart das so gar nicht gefällt.
Als sie jedoch dort ankommen, entwickelt sich sein Aufenthalt dort schnell zu einem Abenteuer. Stuart besucht mit seinem Vater zusammen das alte Haus, in dem sein Großonkel Kenny damals gewohnt hat. Es ist alt und vermodert und eigentlich hat Stuart auch noch nie wirklich etwas über seinen Onkel erfahren. Das ändert sich nun. Stuart erfährt, dass sein Großonkel ein Magier war, was ihn selbst mehr als begeistert. Damit fängt das Abenteuer an. In einer alten Geldschatulle die einen geheimen Mechanismus hat, findet Stuart eine Nachricht, sowie acht Threepenny-Stücke, die ihn auf eine spannende Reise durch Beeton schicken. Stuart soll mit diesen acht Münzen die alte Werkstatt seines Großonkels finden – ein Auftrag, der eigentlich an seinen Kreuzworträtsel schreibenden Vater gerichtet war, der sich aber nicht für Geheimnisse interessiert. Dummerweise muss Stuart bald feststellen, dass die Aufgabe gar nicht so einfach ist. Da ist nämlich noch jemand, der diese Räume unbedingt finden will. Wie soll er das alles bloß alleine schaffen?

Stuart Horten ist 10 Jahre alt, gerade nach Beeton gezogen und ein sehr mutiger kleiner Mann, der allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz das Unmögliche möglich machen will. Obwohl die alten Gebäude der Stadt zum Teil nicht mehr stehen und einige Hinweise somit nicht mehr an Ort und Stelle zu finden sind, gibt er nicht auf, das Rätsel zu lösen, das ihm sein Großonkel Kenny hinterlassen hat. Während Stuart durch die kleine Stadt streift, hier und da in Schwierigkeiten gerät, gegenüber seinen Eltern, besonders seinem Vater, immer wieder Notlügen erfinden muss und auch noch die drei neugierigen Nachbarsdrillinge am Hals hat, fiebert man die ganze Zeit mit ihm mit. Dass Stuart 10 Jahre alt ist, nimmt man ihm ohne weiteres ab. Obwohl er oft sehr durchdacht wirkt, ist er doch auch überaus naiv, sodass seine Handlungen eben nicht wie die eines jungen Erwachsenen oder Erwachsenen anmuten, sondern wie die eines Jungen, der ein fantastisches Ziel verfolgt. Stuart ist auch der Charakter, der am besten ausgearbeitet wurde. Selbst seine Eltern scheinen eher als Nebencharaktere zu fungieren, während sein verschwundener Großonkel weiter im Vordergrund auftaucht, ohne selbst zu agieren. Doch sind es seine Hinweise denen wir folgen, was erklärt, warum dies von Lissa Evans so gehandhabt wurde.
Natürlich bleibt Stuart bei seinem Abenteuer nicht alleine. Er erhält auf der einen Seite Unterstützung, hat aber auf der anderen Seite auch Widersacher, die ihm ständig dazwischenfunken wollen. Gerade bei einer der „Helferfiguren“, ich möchte nicht zu viel verraten und behalte deshalb den Namen für mich, ist ein toller Charakterwandel zu erkennen, den ich mir anfangs beim besten Willen nicht hätte vorstellen können. Ein gelungener Schachzug der Autorin, der mir sehr gefallen hat und der eine tolle Botschaft transportiert.

Stuarts Widersacher, werden ziemlich einfach umrissen, doch geht aus dem, was wir erfahren, ganz klar hervor, mit welcher Art von Charakteren wir es hier zu tun haben. Die gerissene, machthungrige Jeannie, die schon die klingelnde Kasse vor ihrem geistigen Auge sieht und der dümmliche Clifford, dem ständig eine weiße Taube über dem Kopf kreist, sind mit wenigen, aber effizienten Eigenschaften ausgestattet worden, die es dem jungen Leser sehr einfach machen, diese einzuschätzen.
Stuarts Eltern sind zwei lockere Charaktere, die ein bisschen in ihrer eigenen Welt leben. Stuarts Mutter ist den ganzen Tag auf der Arbeit, sodass er mit seinem Vater alleine zuhause bleibt. Dieser schreibt von Berufs wegen Kreuzworträtsel und spricht meistens in sehr konfus anmutenden Sätzen, die dem jungen Leser sicherlich Fragezeichen über die Köpfe zaubern wird. Aber das ist hier auch so gewollt, geht es Stuart doch ganz genauso, wenn er mit seinem Vater spricht. Stuarts Vater ist in Gedanken immer so sehr mit neuen Wörtern für die Rätsel beschäftigt, dass er nichts dagegen hat, wenn Stuart sich den ganzen Tag draußen herumtreibt. So hat Stuart freie Hand und kann die Sommerferien in Beeton nun doch in vollen und vor allem aufregenden Zügen genießen.

Was mir besonders gefallen hat:

Die 31 Kapitel im Buch sind jeweils recht kurz gehalten und in einer einfachen Sprache mit kurzen Sätzen verfasst worden. Die Schrift ist relativ groß und somit genau richtig für das empfohlene Lesealter von 10 Jahren. Zusammen mit der Charaktergestaltung wurden hier ideale Lesevoraussetzungen für dieses Alter geschaffen. Da der Hauptprotagonist männlich ist, ist es vor allem für Jungs in diesem Altersbereich sehr interessant. Das soll natürlich nicht heißen, dass Mädchen nicht ebenfalls ihren Spaß daran hätten. Schließlich gibt es da die nicht ganz unwichtigen und vor allem aufdringlichen Drillinge von nebenan und die sind weiblich.
Stuart, der sich auf Grund seiner Größe scheinbar immer wieder mit dem Spitznamen „Shorty“ herumärgern muss, beweist in diesem Buch, dass Größe wirklich nicht alles ist und das vor allem die Kleinen ganz groß sein können. Auf ganz einfache Art, werden hier Themen wie Vertrauen, Freundschaft und die Kraft von kleinen Dingen mit großer Wirkung eingewoben, die der Leser wohl jeder auf seine Art und Weise aus dem Text mitnehmen wird. Was mir besonders gefällt ist, dass wir es hier mit einem Buch zu tun haben, das es tatsächlich schafft, ein gewaltfreies, wenn auch trotzdem nicht ungefährliches Abenteuer zu schaffen, das man seinem Kind getrost in die Hand geben kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen, mit welchen Bildern es nachts ins Bett geht. Es ist wirklich einfach ein tolles, auf das Lesealter abgestimmtes Abenteuer, das ich für sehr empfehlenswert halte.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Nachdem das Buch über so viele Kapitel hinweg auf ganz realistische Art und Weise ein magisches Abenteuer geliefert hat, muss ich wieder einmal das Ende als Kritikpunkt erwähnen, da es für mich als Auflösung des Ganzen nicht ganz passend schien. Da ich keinen Spoiler setzen möchte, nur so viel: es ist ein magisches Ende in einer realistisch anmutenden Geschichte. Wieder eine Sache, die ich nicht mit in die Wertung einbeziehen werde, da dies für mich unter "Geschmackssache" fällt.

Gestaltung:

Obwohl farblich in cremefarben und schwarz gehalten, hat mich das Cover des Buches dazu gebracht, es in die Hand zu nehmen. Der kleine Junge, der vor einem Vorhang steht, auf eine Münze blickt und man als Betrachter die Uhr mit den Zahnrädern sehen kann – das hat mich sofort in den Bann gezogen. Auch hier kann ich nach dem Buch wieder sagen: Es ist tatsächlich perfekt auf die Geschichte abgestimmt. Wer das Buch gelesen hat und anschließend noch einmal einen Blick aufs Cover wirft, das einen vielleicht vorerst fragend zurücklässt, da man es mit dem Klappentext nicht ganz in Einklang bringen kann, wird einen Aha-Moment erleben. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.

Wertung:

Da mich die Art und Weise, wie die einzelnen Charaktere dargestellt werden, Form und Ausführung des Textes, sowie die Gestaltung rundum zufrieden gemacht haben, gebe ich für diesen ersten Band der Reihe sehr gerne 5 Lila-Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.



Sonntag, 26. Mai 2013

Neuzugänge 26.05.13

Hallo ihr Lieben,

an diesem Wochenende sind drei neue Schätze bei mir eingezogen, wovon eins schön als Geschenk verpackt bei mir gelandet ist :) Eines davon musste ich auch gleich gestern anfangen zu lesen und konnte bis kurz vor Schluss nicht wieder aufhören.

Ich freue mich sehr über:

1. "Zeitenzauber - Die magische Gondel" von Eva Völler







Titel: Zeitenzauber - Die magische Gondel
Reihe: Band 1 der Reihe "Zeitenzauber"
Verlag: Bastei Lübbe (Baumhaus)
Hardcoverausgabe mit 336 Seiten
ISBN 978-3-8339-0026-6
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 14-17 Jahre
Preis: 14,99 Euro






Klappentext:

Eine rote Gondel
Eine seltsame Maske
Ein Reisender zwischen den Zeiten

Die 17-jährige Anna verbringt ihre Sommerferien in Venedig. Bei einem Stadtbummel erweckt eine rote Gondel ihre Aufmerksamkeit. Seltsam. Sind in Venedig nicht alle Gondeln schwarz? Als Anna kurz darauf mit ihren Eltern eine historische Bootsparade besucht, wird sie im Gedränge ins Wasser gestoßen - und von einem unglaublich gut aussehenden jungen Mann in die rote Gondel gezogen. Bevor sie wieder auf den Bootssteg klettern kann, beginnt die Luft plötzlich zu flimmern und die Welt verschwimmt vor Annas Augen...

"Eine ebenso romantische wie spannende Zeitreise in wunderbarer Kulisse, voller Witz und Charme. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Unbedingt lesen!" Kerstin Gier, Autorin der Edelstein-Trilogie

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2. "Stuart Horten - Acht Münzen und eine magische Werkstatt" von Lissa Evans







Titel: Stuart Horten - Acht Münzen und eine magische Werkstatt
Reihe: Band 1 der Reihe „Stuart Horten"
Verlag: mixtvision Verlag
Hardcoverausgabe mit 295 Seiten
ISBN 978-3-939435532
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Preis: 13,90 Euro





Klappentext:
Ich muss weg, und es kann sein, dass ich nicht mehr zurückkehre. Wenn ich nicht wiederkomme, gehört meine Werkstatt und alles, was sich darin befindet, dir - wenn du sie finden kannst. 

In einer Schatulle seines Großonkels findet Stuart diesen Hinweis und acht alte Münzen. Stuart macht sich sofort auf die Suche! Die Münzen passen in acht alte Automaten, die Stuart auf mysteriöse Weise den Weg zeigen. Alles nur Zaubertricks oder echte Magie?


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3. "Stuart Horten - Sieben Rätsel und ein magischer Stern"















Titel: Stuart Horten - Sieben Rätsel und ein magischer Stern
Verlag: mixtvision Verlag
Hardcoverausgabe mit 370 Seiten
ISBN 978-3-939435747
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis: 13,90 Euro

Klappentext:

"Ganz schön spannend!" ZEIT leo

Du hast meine Werkstatt gefunden, aber willst du sie auch behalten? Wenn du wirklich der Besitzer dieser Illustionen werden willst, dann benutze den Stern, um die Buchstaben zu finden. 

Stuart Horten hat die Zauber-Werkstatt seines Großonkels entdeckt, doch nun muss er das verschollene Testament des Magiers finden. Eine rätselhafte und abenteuerliche Suche beginnt!

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Ihr habt schon von diesen Büchern gehört oder eines ist auf eurer Wunschliste gelandet? Vielleicht habt ihr eines der Bücher auch schon selbst gelesen? Dann lasst doch gerne eure Meinung für mich da :)

Liebe lila Lesegrüße
Iris

Donnerstag, 23. Mai 2013

Rezension: Buchland (Markus Walther)






Titel: Buchland
Reihe: nein
Verlag: Acabus
Broschierte Ausgabe mit 232 Seiten
ISBN 978-3-86282-186-0
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis: 12,90 Euro







Klappentext: 

Dieses Antiquariat ist nicht wie andere Buchläden!

Das muss auch die arbeitslose Buchhändlerin Beatrice feststellen, als sie notgedrungen die Stelle im staubigen Antiquariat des ebenso verstaubt wirkenden Herrn Plana annimmt. 
Schnell merkt sie allerdings, dass dort so manches nicht mit rechten Dingen zugeht: Wer verbirgt sich hinter den so antiquiert wirkenden Stammkunden "Eddie" und "Wolfgang"? Und welche Rolle spielt Herr Plana selbst, dessen Beziehung zu seinen Büchern scheinbar jede epische Distanz überwindet?
Doch noch ehe Beatrice all diese Geheimnisse lüften kann, gerät ihr Mann Ingo in große Gefahr. Beatrice setzt alles daran, ihn zu retten. Zusammen mit Herrn Plana begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch das mysteriöse Buchland. 
Und schon bald steht fest: Es geht um viel mehr, als bloß darum, Ingo zu retten. Vielmehr gilt es, die Literatur selbst vor ihrem Untergang zu bewahren!

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Story und Charaktere:

Als Bea im Antiquariat von Herrn Plana die Stelle annimmt, weiß sie noch nicht, dass sie das tut, weil sie eine Mission zu erfüllen hat. Schon bald ändert sich das jedoch und sie erfährt, dass sie ein Buch schreiben muss, um das Buchland zu retten.
Um allerdings dieses Buch schreiben zu können, muss sie sich zunächst ihren eigenen Dämonen stellen. Sie muss den Tod ihrer kleinen Tochter verarbeiten und mit ihrem alkoholabhängigen Mann ins Reine kommen. Sie muss zu sich selbst finden und ihrer Liebe zum geschriebenen Wort freien Lauf lassen.
Auf ihrem Weg trifft sie auf Kunden, die seltsamerweise die Namen großer, bekannter Schriftsteller tragen und deren Zeit entsprechend gekleidet sind, sie dringt tief in die Geheimnisse des Buchlandes ein, gelangt an Orte, die direkt ihrer Fantasie entsprungen zu sein scheinen und erfährt Dinge, die unglaublicher nicht sein könnten.

Markus Walther hat eine Geschichte um zwei Charaktere gesponnen, die den Leser auf eine Reise entführen, die er nicht so schnell vergessen wird, aus der er während des Lesens nur schwer auftauchen kann und die so unglaublich ist, dass sie nicht mehr loslässt.

Wir bewegen uns mit Herrn Plana und Bea in rasender Geschwindigkeit durch das Buchland. Mal sind es enge Gänge, die wir beschreiten, mal große Hallen die wir betreten. Es geht weit hinauf und tief hinunter, an Orte, an denen es wunderschön ist, in Ecken, die gefährlich sind und nie ist etwas so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Genau das macht diese Geschichte so spannend und zu einem berauschenden Abenteuer der besonderen Art.

Mit Herrn Plana und Bea, hat sich Markus Walther zwei besondere Charaktere erdacht, die sehr unterschiedlich sind. Herr Plana ist ein alter Mann, der immer wieder von starken Schmerzen heimgesucht wird, für die es nur eine Linderung gibt – das geschriebene Wort. Wenn Bea ihm vorliest, lassen die Schmerzen nach und er kann sie weiter auf ihrem Weg begleiten. Herr Plana ist auch nicht irgendein Antiquar, sondern, wie er Bea bald schon erklärt, ein Auktoral. Laut Definition der Notizen des Auktorals am Ende des Buches, bedeutet das folgendes:

„Auktoral ist ein Kunstwort abgeleitet von dem lat. auctor (Autor). Ein auktorialer Erzähler steht über der Geschichte und ist somit allwissend. Im direkten Gegensatz dazu steht der Ich-Erzähler, der die Identität eines Darstellers annimmt und aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt. Es zeugt von Genius oder Wahnsinn, wenn ein Schriftsteller beides in einen Topf wirft. Wer würde dergleichen Paradoxes tun?“

Was das für dieses Buch, das aus der Ich-Perspektive von Herrn Plana geschrieben ist, bedeutet, muss der Leser für sich selbst herausfinden. Mich hat diese Herangehensweise an eine Geschichte überrascht und absolut fasziniert.

Bea ist ein eher wankelmütiger Charakter. Während Herr Plana einen Plan verfolgt, dessen Ziel er selbst noch nicht kennt, macht Bea ein paar Schritte nach vorn und dann wieder einige zurück. In einem Moment strotzt sie vor Selbstbewusstsein, im anderen haben wir es mit einem Häufchen Elend zu tun. Mal ist sie stark, mal ist sie schwach. Sie zeigt uns das Gesamtpaket der Emotionsleiter, die ein Mensch durchlebt, der nicht weiß, wo er gerade steht, manchmal keinen Ausweg sieht, aber dann doch zielstrebig sein möchte. Man hat automatisch eine Menge Verständnis für sie, will sie aber hier und da auch gerne einmal anschreien. Gut, dass es in solchen Momenten Herrn Plana und seine Bücher gibt, die hier und da eingreifen, wenn man als Leser schon das Gefühl hat, dass jetzt gleich alles den Bach runtergeht.

Was mir besonders gefallen hat:

Dieses Buch, das für mich eine einzige Liebeserklärung an die Literatur darstellt, mit eigenen Worten zu beurteilen, fällt mir sehr schwer. Obwohl „Buchland“ nur 232 Seiten hat, ist es inhaltlich so voll, wie ein 1000seitiger Wälzer. Hier wurde ein „Zwischenzeiler“ geschrieben, der jedem, der Bücher liebt, das Herz aufgehen lässt. Es gibt so viele kleine Andeutungen und Hinweise auf klassische Werke, so viel Humor zwischen den Zeilen, so viele Denkanstöße, die umrissen, aber nicht ausgesprochen werden, dass der Kopf beim Lesen so beschäftigt ist, wie bei keinem zweiten Buch. Markus Walther spinnt hier ein Netz aus Fantastischem und Wirklichkeit, schafft die Gratwanderung, so viel wegzulassen, aber doch genug zu sagen, dass im Kopf des Lesers eine wahrhafte Explosion eigener Kreativität und Gestaltungsmöglichkeit des Buchlandes stattfindet und  man so unweigerlich von seinen Worten gefangen wird. „Die hohe Kunst des Weglassens“ ist nicht nur ein Kapitel im Buch, sondern sie wurde hier auch meisterhaft umgesetzt.

Wir begegnen in diesem Buch den ungeschriebenen Büchern undden entbehrlichen Büchern, geflügelten Worten kann man fast die Hand reichen. Persönlich und in Worten, treffen wir auf einige der großen Schriftsteller, die unsere Literatur über lange Zeit hinweg geprägt haben. Edgar Allan Poe oder auch Goethe haben hier ihren Auftritt. Wir sehen uns Pegasos und Kalliope gegenüber, hören von Platon und Sokrates, Mark Twain, Jean de la Fontaine, Michael Ende aber auch Karl May. Wir begegnen dem personifizierten Tod, wie wir es doch ähnlich auch von einem weiteren großen Autor kennen, einem blinden Buchbinder und sogar einem Richard Doe. Das Auftauchen von Richard Doe, ist einer der Momente, in der dem Leser, der sich der Bezeichnung dieses namens (hoffentlich) bewusst ist, mehr als einmal ein Schmunzeln entlockt wird. Mit eben dieser Szene, sowie einigen weiteren, nimmt Markus Walther Kritik in seinen Text auf, die so subtil eingebracht wird, dass ich mehrmals den Kopf schütteln musste, als sich ein Lächeln auf meine Lippen stahl.
„Subtil“ - ich glaube, dieses Wort ist genau das richtige, für all das Unterschwellige aus all den verschiedenen Lebensbereichen, das in diesem Buch seinen Platz findet.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Das Buch hat zwei Momente, die mich etwas irritiert haben, weil ich sie so überzogen fand. Zum Einen fühlte ich mich plötzlich an den gläsernen Fahrstuhl aus Charlies Schokoladenfabrik erinnert, der etwa 2 Stunden lang bis in die Wolken fährt und zum Anderen war mir der Ritt auf Pegasos einfach zu dick aufgetragen. Das ist allerdings aber wohl eher Geschmackssache.
Etwas seltsam fand ich auch die Darstellung von Herrn Plana, der trotz starker Schmerzen, die ihn manchmal regelrecht umhauen, beispielsweise 16 km Weg unter anderem auf den Oberseiten von Bücherregalen zurücklegt. Das schien mir nicht ganz durchdacht.

Zusatz: Altersempfehlung und Zielgruppe

Ich denke, dass sich dieses Buch nicht für jeden Leser eignet, der hinter dem Titel und dem Klappentext eine fantastische Geschichte erwartet. Der Text ist so vielschichtig und durchtränkt mit Anspielungen, Andeutungen, Unausgesprochenem und Nichtgesagtem, dass jemand, der sich schwer damit tut, zwischen den Zeilen zu lesen, in diesem Buch vielleicht eine Enttäuschung erleben wird. Klassische Literatur sollte kein Fremdwort für jemanden sein, der das Buch in die Hand nimmt und die Erwartung sollte sich nicht an einen kurzweilig, einfachen Text lehnen.
Meine persönliche Altersempfehlung wäre etwa ab 15 Jahren, wenn der/diejenige recht belesen ist und Spaß an diesem Buch entwickeln kann. Sonst sehe ich es eher in den Händen von Erwachsenen.

Gestaltung:

Eine schwarze Frauensilhouette vor einem beige-braunfarbenem Hintergrund, der verschiedene Figuren der Weltliteratur zeigt, trifft ganz genau den Kern des Buches. Wer nicht schon beim ersten Draufschauen vom Cover gefesselt ist, wird beim zweiten Hinsehen, nach dem Lesen erkennen, dass dieses Buch gar keine andere Gestaltung zulässt. Sie ist rundum gelungen.

Wertung:

Der Inhalt dieses Buches hat mich absolut begeistert. Die Liebe zum geschriebenen Wort, die hier vom Autor im Herzen des Lesers noch einmal ganz neu entfesselt wird, reicht bis in den hintersten Winkel des Herzens, zündet ein Lichtlein an und schenkt dir innere Wärme. Dieses Buch ist ein klares „Ja“ an die Literatur. Ein Buch, das ich allen, die Bücher lieben, nur empfehlen kann und deshalb mit 5 Lila-Lesesternen bewerte.




Freitag, 17. Mai 2013

Rezension: House of Secrets - Der Fluch des Denver Kristoff (Chris Columbus & Ned Vizzini)






Titel: House of Secrets - Der Fluch des Denver Kristoff
Reihe: Band 1 der Reihe „House of Secrets"
Verlag: Arena
Hardcoverausgabe mit 457 Seiten
ISBN 978-3-401-06851-0
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 11-13 Jahre
Preis: 15,99 Euro





Klappentext: 

"Was für eine halsbrecherische und nervenaufreibende Achterbahnfahrt." J.K. Rowling

Als die Geschwister Eleanor, Brendan und Cordelia Walker erkennen, in was für ein großartiges und zugleich gruseliges Haus sie gezogen sind, ist es bereits zu spät: Die alte Nachbarin hat sie in einen fiesen Plan verwickelt. Ihre Eltern sind spurlos verschwunden, stattdessen streunen blutrünstige Krieger durch dschungelartige Wälder und übermenschliche Piraten bevölkern die Meere. Was haben die fantastischen Romane des ehemaligen Hausbesitzers und Autors Denver Kristoff damit zu tun und warum hat er die Familie Walker in sein dunkles Spiel verstrickt? Schnell merken die drei, dass nicht nur sie, sondern die ganze Welt in großer Gefahr schwebt. 

Der Auftagt der neuen Erfolgsserie von Percy-Jackson-Regisseur Chris Columbus und Kultautor Ned Vizzini!


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Story und Charaktere:

Die Geschwister Cordelia (15), Brendan (12) und Eleanor (8) Walker müssen mit ihren Eltern umziehen. Gerade hat ihr Vater aufgrund des „Vorfalls“ seinen Job verloren, sodass ein Wohnungswechsel unabwendbar ist. Die Eltern der drei können ihr Glück kaum fassen, als ihnen die Villa Kristoff samt Inventar zum Spottpreis angeboten wird. Zur Ausstattung gehört auch eine große Bibliothek, in der Cordelia Bücher des Schriftstellers Denver Kristoff findet. Brendan trifft zu der Zeit im Garten, wo sie vorher eine Engelsstatue mit abgehackter Hand gesehen haben, plötzlich auf eine kahlköpfige alte Frau, die ihm unmissverständlich klar macht, dass er dort verschwinden und nie wieder kommen soll.
Das alte Herrenhaus ist direkt an einigen Klippen gebaut und so konstruiert worden, dass das Haus, sollte es zu einem Erdbeben kommen, auf luftgefüllten Fässern schwimmen kann.
Klar, dass die Familie ins Haus einziehen will und schon kurze Zeit später wird der Umzug in Angriff genommen. Die Kisten sind noch nicht einmal ausgepackt, als die Welt der Kinder ins Chaos gestürzt wird. Die gerade noch so freundliche, kuchenbringende Nachbarin entpuppt sich als Windfurie, die die Eltern verschwinden und das Haus davonfliegen lässt – mitten hinein in einen Wald, wo es von grobschlächtigen Männern nur so wimmelt. Wie gut, dass rein zufällig gerade ein Flugzeug abstürzt und die Situation rettet. Der Pilot kommt beim Absturz nicht ums Leben, wird dann aber von den seltsamen Männern schwer verletzt.
Nicht lange und die Kinder finden heraus, dass sie sich in drei der vielen Romane von Denver Kristoff befinden und Will, sowie die grobschlächtigen Männer nur fiktive Personen sind.
Während für die Kinder feststeht, dass sie ihre Eltern suchen müssen, taucht die Windfurie noch einmal auf und weist sie an, dass sie ihre Eltern nur wiedersehen, wenn sie ihr helfen an ein bestimmtes, machtvolles Buch zu gelangen. Eine Aufgabe, die sich nicht nur als schwierig erweist, sondern auch immer wieder im Hintergrund verschwindet.

Leider wirkt die Geschichte auf mich, als hätte da jemand tausend Ideen gehabt und diese aneinandergereiht, in der Hoffnung, alle Elemente zu einer fantastischen Geschichte verbinden zu können. Dabei spielt Logik scheinbar keine große Rolle. Während die Windfurie die Familie Walker in einem Moment noch loswerden will, erklärt sie im nächsten, dass sie alle in das Haus gehören und nur sie ihr helfen können, an ein machtvolles Buch zu gelangen. Wenn also nur diese Familie in der Lage ist, ihr zu helfen, warum will sie dann, dass sie nicht in die Villa Kristoff einziehen? Diese Frage beantwortet sich zu keiner Zeit.
Was mich außerdem stutzig gemacht hat, ist die Konstruktion des Hauses. Es steht mit dem hinteren Teil über den Klippen und wird von Pfählen gestützt. So kann man die Fässer sehen, die das Haus über Wasser halten sollen, wenn es bei einem Erdbeben abstürzt. Gleichzeitig hat das Haus aber auch noch einen Keller im Boden. Demnach müssten unter dem Keller noch weitere Fässer sein, sonst würde das Haus in Schieflage geraten. Wichtig wird diese Überlegung, nachdem das Haus erst im Wald gelandet ist, dann von einem Riesen in die Bäume geschleudert wird, einen Abhang runterrutscht und später irgendwann im Wasser landet. Natürlich geht dabei nicht sonderlich viel kaputt – nur die Fenster. Der halbe Keller spielt natürlich keine Rolle beim durch die Bäume fallen oder beim Rutsch den Abhang hinunter. Auch im Wald steht das Haus nicht gekippt, weil der Keller dranhängt. Als sich dieses Haus jedenfalls im Wasser befindet bergen die Kinder ihr Essen in Form von Maisdosen, die auf Regalen stehen (!!!!) aus einem der unter Wasser liegenden Räume. Später flüchten sie durch eines der Fenster vor Piraten in die Fluten, tauchen unter das Haus, an den Fässern vorbei (nirgendwo ein Keller, den es zu umschwimmen gilt), um dann irgendwie in einem Geheimgang im Haus wieder herauszukommen. Das mag verstehen wer will, die Konstruktion dieses Hauses ist mir ein Rätsel.
Neben solch undurchdachten „Kleinigkeiten“ hapert das Buch für mich an der Story. Es gibt ein zentrales Problem und eine zentrale Lösung. Gut zu wissen, sonst würde man während des Lesens nicht drauf kommen, warum die Geschichte eigentlich geschrieben wurde. Es passieren tausend Dinge in einem rasenden Tempo, das einem Film sicherlich angemessen wäre, hier aber einfach den linearen Verlauf der Geschichte stört und das Ganze unglaubwürdig macht. Vor allem, wenn man am Ende die Lösung des Ganzen liest, fragt man sich, warum man daran nicht schon viel eher gedacht hat... Ganz ehrlich, als Leser denkt man an diese Lösung nämlich ungefähr das halbe Buch lang.
Dass wir es mit einem Autor zu tun haben, der eigentlich aus der Filmbranche kommt, merkt man sehr deutlich. Es kracht und rummst auf praktisch jeder Seite und ist im Ganzen ein riesiges Spektakel. Was dabei allerdings total auf der Strecke bleibt sind die Charaktere.

Eleanor ist 8 Jahre alt und hat Schwierigkeiten beim Lesen. Das ist auch schon alles, was man über ihren Charakter wirklich sagen kann. Dabei haben sich die beiden Autoren keine große Mühe gegeben, sie auch als achtjährigen Charakter darzustellen. Sie redet und verhält sich wie eine Erwachsene. Wie auch ihre Geschwister nimmt sie alle Gefahren hin, handelt, aber keiner flippt jemals wirklich aus. Die Situationen wirken konstruiert, die Dialoge zum Teil sehr aufgesetzt.
Die 15jährige Cordelia ist dagegen eine Leseratte, während ihr Bruder Brendan lieber PSP zockt. Die Figuren erhalten leider keine Tiefe, man erlebt ihre Emotionen nicht mit – fühlt nichts für sie. Sie fühlen scheinbar auch nicht viel, denn jede gefährliche, brenzlige und lebensgefährliche Situation wird praktisch mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, um dann frei Schnauze zu handeln. Mit  Folterungen, all ihren Ängsten und auch Mord gehen sie um, als würde das alles zu ihrem Alltag gehören. Panik? Was ist das? Es gibt nur sehr kurze Sequenzen, eher Momente, in denen sie kindgerecht und über ihre Situation entsetzt, über das reflektieren, was sie erlebt haben. So emotionslos, wie das Ganze vonstatten geht, bin ich als Leser teilweise doch schockiert davon, was für eine Welt hier geschaffen wurde.

Das ist das erste Mal, dass ich bei einem Buch sagen muss, dass sowohl Story und auch Charaktere gleichermaßen durchgefallen sind.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Gliederung in 77 Kapitel über 457 Seiten fand ich ziemlich gut. Da die Zielgruppe ein eher jüngeres Publikum ist, fand ich die kurzen Kapitel sehr geeignet.

Zusatz: Altersempfehlung

Neben der absolut seltsamen Story und den blassen Charakteren, fand ich die brutalen Szenen des Buches, in Hinblick auf das Lesealter von 11 Jahren (das bereits von 10-12 auf 11-13 hochgestuft wurde), sehr grenzwertig. Es sterben so einige Charaktere auf sehr unschöne Weise. Der eine wird von Haien zerrissen, der nächste von Schwertern aufgeschlitzt. Die Ausführungen über Experimente am lebenden Objekt noch gar nicht mit eingerechnet.  Ich würde das Buch auf keinen Fall unter 12, eher noch 13 Jahren empfehlen.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Die Autoren haben ihre verwendeten Stilelemente, wie Klammern mit Einschub irgendeiner Information, nur etwa bis zur Hälfte des Buches beibehalten. Klammern, die meiner Meinung nach wieder wenig Sinn gemacht haben und einfach in den Fließtext hätten übernommen werden können.
Stilistisch ist mir der Schreibstil zu hektisch und klingt eher wie eine schnell runtergeraspelte Filmstory, um denjenigen, die das Ganze umsetzen sollen, einen Eindruck zu geben. Das verwundert eigentlich auch nicht, denn Chris Columbus hatte nie vor, dieses Buch zu schreiben. Er wollte einen Film produzieren, merkte dann aber, dass er zu teuer werden würde, sodass er sich Ned Vizzini ins Boot holte, um aus dem Projekt ein Buch zu machen, dessen Ergebnis wir nun vor uns haben. Schade.
Und wo wir gerade beim Thema Film angekommen sind. Diese Reihe sollte besonders originell werden... Seltsam, ich hatte das Gefühl, dass ideentechnisch bei „Der Zauberer von Oz“ (Windfurie lässt das Haus wegwehen), “Jumanji“ (man landet mitten im Dschungel) und „Tintenherz“ (Fiktive Figuren erwachen zum Leben, man landet im Buch) abgekupfert wurde. Ob es an der Geschichte etwas Neues gab? Nein, es war ein Gemisch aus tausend Dingen, die uns bereit begegnet sind. Ein Mix, der für mich so gar nicht funktioniert hat.
Der Cliff-Hanger am Ende lässt auf einen zweiten Band schließen, bei dem es sich um eine Story drehen wird, die nur noch schlechter sein kann, als die erste. In diesem Fall muss ich sagen: Schuster bleib bei deinen Leisten – dem Drehbuchschreiben.

Gestaltung:

Die Gestaltung des Buches hat mich direkt beim ersten Sehen in den Bann gezogen. Ein Grund, warum das Buch überhaupt in meinen Händen gelandet ist. Die schöne goldene Schrift, die geheimnisvolle Tür und die wegfliegende Eule zu diesem geheimnisvollen Titel – das hat gewirkt.

Wertung:

Da ich mich nach den ersten 60 Seiten immer mehr durchs Buch quälen musste, die Story zwar schnell, aber durch die blassen Charaktere absolut unspannend war, ständig Logiklücken entstanden und man nie das Gefühl hatte, dass das zentrale Problem wirklich in Angriff genommen wurde, ohne auf absolut unlogische Art und Weise mal wieder in den Fokus zu geraten, die Lösung schon etwa nach der Hälfte des Buches hätte feststehen müssen und hier nur krampfhaft versucht wurde alle auftauchenden Charaktere zu einer Story zusammenzuführen, gebe ich „House of Secrets“ genau 1 Lila-Lesestern – und zwar für die Gestaltung.


Dienstag, 14. Mai 2013

Neuzugänge aus der Aktion "Blogger schenken Lesefreude" - 14.05.13

Hallo ihr Lieben,

bevor ich meinen Rezensionsblog gestartet habe, gab es die Aktion "Blogger schenken Lesefreude". Dabei wurden auf über 1000 Blogs Bücher verlost/verschenkt, für die man sich per Kommentar bewerben konnte. Auch ich hatte Glück und habe zwei tolle Bücher gewonnen, die heute bei mir eingetrudelt sind :)

Auf "Deborahs Bücherhimmel", durfte ich mich über "Buchland" freuen:






Titel: Buchland
Reihe: nein
Verlag: Acabus
Broschierte Ausgabe mit 232 Seiten
ISBN 978-3-86282-186-0
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis: 12,90 Euro




Klappentext: 


Dieses Antiquariat ist nicht wie andere Buchläden!

Das muss auch die arbeitslose Buchhändlerin Beatrice feststellen, als sie notgedrungen die Stelle im staubigen Antiquariat des ebenso verstaubt wirkenden Herrn Plana annimmt. 
Schnell merkt sie allerdings, dass dort so manches nicht mit rechten Dingen zugeht: Wer verbirgt sich hinter den so antiquiert wirkenden Stammkunden "Eddie" und "Wolfgang"? Und welche Rolle spielt Herr Plana selbst, dessen Beziehung zu seinen Büchern scheinbar jede epische Distanz überwindet?
Doch noch ehe Beatrice all diese Geheimnisse lüften kann, gerät ihr Mann Ingo in große Gefahr. Beatrice setzt alles daran, ihn zu retten. Zusammen mit Herrn Plana begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch das mysteriöse Buchland. 
Und schon bald steht fest: Es geht um viel mehr, als bloß darum, Ingo zu retten. Vielmehr gilt es, die Literatur selbst vor ihrem Untergang zu bewahren!

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Und auf "Seitenzauber" war die Freude groß, als ich erfahren habe "Heaven - Stadt der Feen" gewonnen zu haben:







Titel: Heaven - Stadt der Feen
Reihe: nein
Verlag: Arena
Hardcoverausgabe mit 356 Seiten
ISBN 978-3-401-06382-9
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 12 - 15 Jahre
Preis: 14,95 Euro
Auch als Taschenbuchausgabe für 7,99 Euro erhätlich




Klappentext: 


London - das ist seine Stadt. 
Und über den Dächern von London - dort hat David sein zweites Zuhause gefunden. Hier oben kann er den Schatten der Vergangenheit entfliehen. Bis er eines Tages auf ein Mädchen trifft, das alles auf den Kopf stellt, woran er bisher geglaubt hat. Ihr Name ist Heaven. Sie ist wunderschön. Und sie behauptet, kein Herz mehr zu haben. Ehe David begreifen kann, worauf er sich einlässt, sind sie gemeinsam auf der Flucht. Und sie werden nur überlegen, wenn sie Heavens Geheimnis lüften. 

Christoph Marzi erzählt mitreißend - Urban Fantasy vom Feinsten!

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Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Deborah und Stefanie bedanken, die zwei wirklich tolle Verlosungen auf ihrem Blog haben stattfinden lassen :) Ich freue mich sehr aufs Lesen dieser Bücher und lasse euch dann gerne an meiner Meinung teilhaben :)

Liebe lila Lesegrüße
Iris


Rezension: Geisterritter (Cornelia Funke)







Titel: Geisterritter
Reihe: nein
Verlag: Dressler
Hardcoverausgabe mit 238 Seiten
ISBN 978-3-7915-0479-7
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10 - 12 Jahre
Preis: 16,95 Euro




Klappentext: 

"Bitte!", hörte ich mich flüstern. Die Worte kamen wie von selbst. "Bitte, William Longspee. Hilf mir."
Und plötzlich hörte ich Schritte. Klirrende Schritte, wie von Eisenschuhen. Ich drehte mich um. 
Und da stand er.

Jon Whitcraft hat es schwer. Seine Mutter und ihr neuer Freund schicken ihn aufs Internat nach Salisbury. Strömender Regen, dunkle Gemäuer, enge Flure, fremde Gesichter und ein Zimmer, das er sich mit  zwei Mitschülern teilen muss. Jon ahnt nicht, dass dies bald seine geringsten Sorgen sein werden. Denn in seiner sechsten Nacht im Internat erscheinen plötzlich drei Geister und dem Fenster seines Zimmers und starren zu ihm hinauf. Zum Glück gibt es jemanden in Salisbury, der sich bestens mit Geistern auskennt...



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Story und Charaktere:

Der elfjährige Jon Whitcroft hat es nicht leicht. Sein Vater ist gestorben, als er vier war, danach hatte er seine Familie für sich, war der Mann im Haus und musste seine Mutter mit niemandem außer seinen Schwestern teilen. Seit allerdings der Vollbart da ist, ist alles anders. Plötzlich verbringt seine Mutter alle Zeit, die sie hat, mit ihm und nicht mehr mit ihrem Sohn und nun schlagen sie auch noch dem Fass den Boden aus – sie schicken Jon auf ein Internat in Salisbury.
Miesgelaunt und mit dem Kopf voll bösartiger Gedanken an den Verlobten ihrer Mutter, macht er sich auf den Weg zu seiner neuen Schule, die eine Stunde und neun Minuten weit weg liegt. Hier vergräbt er sich zunächst im Heimweh, lehnt seine beiden neuen Zimmerkameraden ab und will nichts mit Salisbury zu tun haben. Dann jedoch, in der sechsten Nacht, passiert etwas Folgenschweres. Etwas, das Jon verändern wird. Vor dem Fenster seines Zimmers tauchen plötzlich drei Geisterreiter auf, die zu ihm hinaufstarren und ihn in den nächsten Tagen jagen werden. Jon ist völlig von der Rolle, findet aber sehr bald eine Verbündete in Ella – dem Mädchen, dessen Großmutter die Geistertouren in der Kathedrale gibt. Sie glaubt an Jons Geistererscheinungen und klärt zusammen mit ihrer Großmutter bald auf, wer Jon da verfolgt. Ein alter Familienfluch lastet auf Jon, welcher den ruhelosen Geist Stourtons hinter allen Hartgills herjagt, um diese zu töten. Ella und ihre Großmutter suchen zusammen ein Mittel gegen diesen Spuk – einen weiteren Geist. Longspee war seinerzeit ein Ritter, dessen unruhiger Geist durch einen Eid an das Diesseits gebunden ist. Er hat geschworen, keinen Frieden zu finden, bis seine Seele reingewaschen ist von all seinen schandhaften Taten. Dies will er erreichen, indem er den Unschuldigen gegen die Grausamen beisteht und den Schwachen gegen die Starken. In ihm findet Jon einen starken Beschützer. Um sich erkenntlich zu zeigen, fragt er Longspee, was er für ihn tun kann. Mit dieser Frage entspinnt sich ein Netz um lang vergangene Zeiten, Intrigen und eine tragische Liebesgeschichte, die zwei Herzen im Tode trennt. Ein Abenteuer entbrennt, das so manche Überraschung bereithält und den Leser erst auf den letzten Seiten wieder loslässt.

Jon, dessen Nerven im Buch ganz schön überstrapaziert werden, baut innerhalb kürzester Zeit eine Bindung zu seiner Freundin Ella und dem Geist Longspee auf. Er ist ein sehr emotionaler Mensch, der aus dem Gefühl heraus handelt. Da die Geschichte in der Ich-Form als Erinnerung an eine damalige Zeit aus dem Erwachsenenalter heraus geschildert wird, halte ich es der Autorin zu Gute, dass man hier und da das Gefühl hat, es mit einem älteren Jungen zu tun zu haben. Ich habe mich hier und da sehr schwer getan, zu glauben, dass Jon so jung ist.
Ella ist ein sehr aufgewecktes Mädchen, mit ungeheuer viel Selbstbewusstsein. Sie lässt sich niemals den Mund verbieten, aber auch nicht in die Karten schauen. Sich Ausreden und Pläne aus dem Handgelenk zu schütteln, gehört genauso zu ihrem Wesen, wie das Finden von Lösungen, wenn Jon nicht weiß, was er tun soll. Sie kann dabei sehr forsch sein und erreicht immer das, was sie will.
Ellas Großmutter Zelda ist eine etwas verschrobene, seltsam anmutende Figur. Sie geht an Krücken und ist deshalb zur Zeit nicht im Geistertourdienst. So kann sie ihre Enkelin und ihren neuen Freund unterstützen, was sie auch nach Kräften tut. Geister sind nun einmal ihre Spezialität.
Die beiden Nebencharaktere Angus und Stu, die zusammen mit Jon ein Zimmer im Internat bewohnen, machen die ganze Sache rund um die Schule plastischer. Angus singt im Chor, worüber Jon sich immer wieder wundern muss, denn eigentlich ist Angus äußerlich überhaupt nicht der Typ dafür. Groß und breitschultrig könnte man ihn sich wohl eher als Footballspieler vorstellen, als als Sängerknabe. Zusammen mit Stu schließt er Wetten ab, von denen eine Jon betrifft. Eine Wette, dessen Ausgang den beiden die Augen für völlig neue Dinge dieser Welt öffnet.
Der Vollbart, wie Jon den Verlobten seiner Mutter nennt, hat ebenfalls keine unbedeutende Rolle. Er lehrt Jon Akzeptanz – auf sehr subtile Weise. Seine Figur zeigt dem Leser, wie wichtig ist, seine Vorurteile erst auf die Probe zu stellen, bevor man sie zu seinem Lebensinhalt macht.
Die auftauchenden Geister werden sehr glaubhaft dargestellt. Während man die einen zur Hölle wünscht, fühlt man mit dem anderen mit. Man hegt Argwohn, spürt Erleichterung, drückt die Daumen, hält den Atem an.
Bis auf das Verhalten der Kinder, die für mich einfach nicht in die Rolle von Elfjährigen passen wollen, sind die Charaktere sehr schön ausgearbeitet worden. Die eher unwichtigen Nebencharaktere bleiben blass, bekommen aber dennoch genug Raum, um entsprechend ihrer Rolle zu agieren. So sorgt Cornelia Funke dafür, dass jeder Charakter seinen passenden Platz erhält.

Was mir besonders gefallen hat:

Bücher, die für Kurzweil sorgen, legen immer ein Tempo vor, das mich gebannt im Buch hängenbleiben lässt. Nachdem ich mich mit dem Anfang etwas schwer tat, der sich vor allem mit dem Einführen der Charaktere beschäftigt, hat Cornelia Funke mich mit der Geschichte um die verschiedenen Geister dann aber doch gepackt. Die Charaktere wurden immer greifbarer und  bekamen immer mehr Form. Das Abenteuer, das sich entspinnt, beschränkt sich nicht nur auf einen linearen Ablauf, sondern lässt den roten Faden ein wenig nach links und rechts schlängeln. Das bringt Abwechslung in den Text und sorgt für immer neue Überraschungen.
Der Schreibstil in diesem Buch ist recht einfach gehalten. Bis auf die englischen Namen, sollten Kinder im angegebenen Lesealter keine Probleme haben, das Buch zu lesen.

Zusatz: Altersempfehlung

An diesem Punkt muss ich auch noch einmal genau darauf eingehen –  auf das empfohlene Lesealter. Da das Buch zum Teil doch ganz schön gruselig und die Geschichte durch die tragische Liebesgeschichte, die Eide und den Fluch eben nicht so einfach ist wie ein für mich typisches Kinderbuch, würde ich selbst das Buch eher ab 12 Jahren empfehlen und weniger ab 10.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Es gibt einen Punkt an diesem Buch, den ich  nicht verstehe. Cornelia Funke hat für die Geschichte von Jon die Ich-Perspektive gewählt, die die Erzählung aus der Gegenwart in der Vergangenheit reflektiert. Trotzdem hat sie bei einigen Gedankengängen immer wieder Teile der Erzählung in Klammern gesetzt. Das hat mich beim Lesen ehrlich gesagt gestört. Diese Einwände in Klammern, hätten dem Fließtext keinen Abbruch getan, da er, wie gesagt, in der Ich-Form geschrieben wurde. Klammern haben in Geschichten meiner Meinung nach nichts zu suchen, unterbrechen sie doch fortlaufend den Lesefluss.

Gestaltung:

Das Buch wartet nicht nur mit einem tollen Cover auf, auch mit der Gestaltung des Inneren wurde sich viel Mühe gegeben. Der Text ist auf reinweißen Seiten gedruckt, sodass die Illustrationen besonders gut zur Geltung kommen. Jeder Kapitelüberschrift  ist ein Ausschnitt aus den ganzseitigen, teils doppelseitigen Illustrationen von Friedrich Hechelmann beigefügt, dessen Gesamtwerk sich beim Lesen offenbart. Während mir der traditionell wirkende Zeichenstil hier und da eher nicht gefiel, muss ich dennoch ein Lob für die Zeichnungen aussprechen, die sich um das „Geisterhafte“ im Buch drehen. Diese finde ich, entgegen den „normalen Szenen“ sehr stimmungsvoll umgesetzt.
Mit diesen Illustrationen, dem hochwertigen Druck und dem festen reinweißen Papier rechtfertigt sich auch der Preis von 16,95 Euro für 238 Seiten.




Wertung:

Die Lesefluss beeinflussenden Klammern berücksichtigend, sowie den Fakt, dass ich Jon seine elf Jahre nicht ganz abnehmen kann, aber die Geschichte wirklich spannend und die Charaktere toll fand, sich so viel Mühe mit der Gestaltung gegeben wurde und die Qualität des Buches einfach überzeugend ist, vergebe ich 4 Lila-Lesesterne an die „Geisterritter“.





Sonntag, 12. Mai 2013

Neuzugänge 12.05.13

Hallo ihr Lieben, in den letzten Tagen sind drei neue Bücher bei mir eingezogen, über die ich mich sehr freue. Diese Titel möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten, denn vielleicht ist ja für den ein oder anderen etwas dabei :) Wer schon eines der Bücher gelesen hat, darf mir natürlich gerne einen Kommentar dalassen, welches es ist und wie es gefallen hat :)

 Los gehts:

1. "House of Secrets - Der Fluch des Denver Kristoff" von Chris Columbus & Ned Vizzini






Titel: House of Secrets - Der Fluch des Denver Kristoff
Reihe: Band 1 der Reihe „House of Secrets"
Verlag: Arena
Hardcoverausgabe mit 457 Seiten
ISBN 978-3-401-06851-0
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 11-13 Jahre
Preis: 15,99 Euro





Klappentext: 


"Was für eine halsbrecherische und nervenaufreibende Achterbahnfahrt." J.K. Rowling

Als die Geschwister Eleanor, Brendan und Cordelia Walker erkennen, in was für ein großartiges und zugleich gruseliges Haus sie gezogen sind, ist es bereits zu spät: Die alte Nachbarin hat sie in einen fiesen Plan verwickelt. Ihre Eltern sind spurlos verschwunden, stattdessen streunen blutrünstige Krieger durch dschungelartige Wälder und übermenschliche Piraten bevölkern die Meere. Was haben die fantastischen Romane des ehemaligen Hausbesitzers und Autors Denver Kristoff damit zu tun und warum hat er die Familie Walker in sein dunkles Spiel verstrickt? Schnell merken die drei, dass nicht nur sie, sondern die ganze Welt in großer Gefahr schwebt. 

Der Auftackt der neuen Erfolgsserie von Percy-Jackson-Regisseur Chris Columbus und Kultautor Ned Vizzini!


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Nr. 2 "Geisterritter" von Cornelia Funke 






Titel: Geisterritter
Reihe: nein
Verlag: Dressler
Hardcoverausgabe mit 238 Seiten
ISBN 978-3-7915-0479-7
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis: 16,95 Euro





Klappentext: 


"Bitte!", hörte ich mich flüstern. Die Worte kamen wie von selbst. "Bitte, William Longspee. Hilf mir."
Und plötzlich hörte ich Schritte. Klirrende Schritte, wie von Eisenschuhen. Ich drehte mich um. 
Und da stand er.

Jon Whitcraft hat es schwer. Seine Mutter und ihr neuer Freund schicken ihn aufs Internat nach Salisbury. Strömender Regen, dunkle Gemäuer, enge Flure, fremde Gesichter und ein Zimmer, das er sich mit  zwei Mitschülern teilen muss. Jon ahnt nicht, dass dies bald seine geringsten Sorgen sein werden. Denn in seiner sechsten Nacht im Internat erscheinen plötzlich drei Geister und dem Fenster seines Zimmers und starren zu ihm hinauf. Zum Glück gibt es jemanden in Salisbury, der sich bestens mit Geistern auskennt...

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Nr.3 "Oksa Pollock - Die Unverhoffte" von Anne Plichota und Cendrine Wolf





Titel: Oksa Pollock - Die Unverhoffte
Reihe: Band 1 der Reihe „Oksa Pollock"
Verlag: Oetinger
Taschenbuchausgabe mit 591 Seiten
ISBN 978-3-841501288
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 11-15 Jahre
Preis: 8,99 Euro
auch als Hardcoverausgabe für 19,95 Euro erhältlich





Klappentext: 


Doch heute Morgen war alles anders... Ein Traum war in ihr echtes Leben eingedrungen. Ihre verbrannten Finger erinnerten sie schmerzhaft daran. Oksa hatte sich oft gewünscht, solche Dinge wie heute Nacht zu tun. Aber als der Traum Realität geworden war, hatte sie einfach nur furchtbare Angst gehabt. 

Eigentlich macht Oksa Karate und ist die Schnellste auf den Inlinern. Und in ihren Träumen ist sie eine Ninja Kämpferin, die es mit dem fiesen Klassenlehrer McGraw aufnehmen kann. Doch als sie eines Tages feststellt, dass sie ungeahnte magische Fähigkeiten hat, ist Oksa außer sich. Warum erfährt sie erst jetzt von dem Familiengeheimnis, das sie vor die unglaublichste Herausforderung ihres Lebens stellt und sie außerdem noch in allergrößte Gefahr bringt?

"Eine im wahrsten Sinne magische Verführung." L'Alsace 

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Wenn einer der Titel auf euren Wunschlisten gelandet ist, bin ich natürlich immer neugierig, zu erfahren, welcher davon es dorthin geschafft hat :) Aus meiner Wunschliste sind die drei ausgezogen und haben Platz für neue gemacht. Mal sehen, was in nächster Zeit so dazukommt :)

Liebe lila Lesegrüße
Iris



Rezension: Der verbotene Schlüssel (Ralf Isau)





Titel: Der verbotene Schlüssel
Reihe: nein
Verlag: cbj
Hardcoverausgabe mit 505 Seiten
ISBN 978-3-570-13834-2
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Preis: 18,99 Euro
Auch als Taschenbuchausgabe für 9,99 Euro erhältlich





Klappentext: 


„Manche Dinge bleiben besser für immer unentdeckt.“

Nur kurz denkt Sophia an diesen Rat, als sie das Erbe ihres geheimnisvollen Großvaters annimmt: Der alte Mann, den sie selbst nie gekannt hat, vermacht ihr eine komplexe kleine Maschine, die wie ein Uhrwerk voller Zahnrädchen und Halbkugeln aussieht. Und dazu einen Schlüssel – vor dem ein Brief des Großvaters eindringlich warnt. Der verbotene Schlüssel – Sophia kann ihm nicht widerstehen. Sophia zieht das Uhrwerk auf und findet sich in einem bizarren, gefährlichen Reich wieder...

„Abenteuerlich, originell, spannend und klug – von Ralf Isau, dem Meister des fantastischen Romans!“

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Story und Charaktere:

Sophia ist 14 Jahre alt, Waise und stammt aus einer alten Uhrmacherfamilie. Ihre Eltern starben bei einem Autounfall an gleichzeitigem Herzstillstand. Ein Fakt, den Sophia nicht wirklich glauben will. Richtig skeptisch wird sie, als sie das Erbe ihres Großvaters antreten soll, den sie bisher weder kannte noch jemals vorher gesehen hat und die Nachricht erhält, dass er ebenfalls an plötzlichem Herzstillstand verschieden sein solle.
Neben einer kleinen Eigentumswohnung erbt Sophia „Das merkwürdigste Buch der Welt“ und ein Fabergè-Ei, das man bisher nur aus Skizzen kannte. Obwohl der Notar Sophia eindringlich davor warnt, das Fabergè-Ei zu öffnen, bevor sie das Buch ihres Großvaters gelesen hat, kann sie nicht anders, als einen Blick hineinzuwerfen. Ein seltsames kleines weiteres Ei steckt darin und mit ihm ein wundersamer Schlüssel.
In der Wohnung ihres Großvaters will sie das kleine Ei nun öffnen, bemerkt aber vorher, dass seltsamerweise sämtliche Uhren in allen Räumen um exakt 13:16 Uhr stehengeblieben sind – dem Todeszeitpunkt ihres Großvaters. Während sie es sich auf einem Sessel bequem macht und anfängt, das ihr hinterlassene Buch zu lesen, um herauszufinden, warum sie das kleine Ei nicht öffnen soll, fangen die Uhren plötzlich wieder an zu ticken – exakt eine Woche nach dem Tod ihres Großvaters.
Das Buch, das er ihr hinterlassen hat, enthält eine seltsame Geschichte – den Mythos von Ys. In ihm ist vom „Buch der Zeit“ die Rede und einem Stundenwächter, der es auf genau dieses abgesehen hat. Dieses Buch soll sich nun in Sophias Besitz, in Form des kleinen Eis im Fabergè-Ei befinden. Sophia glaubt natürlich kein Wort davon, steckt den Schlüssel in das Ei, dreht ihn herum und muss schon bald feststellen, dass das keine gute Idee war.
Plötzlich befindet sie sich in Mekanis und dort ausgerechnet im Labyrinth der Zeit. Decken und Wände bewegen sich und drohen sie zu zerquetschen. Hektisch bewegt sie sich durch die seltsamen Gänge, bis sie auf Theo trifft – einen Jungen aus dem 16. Jahrhundert, der ihr prompt erzählt, dass er Sophia aus seinen Träumen kennt.
Er erzählt ihr außerdem vom kosmischen Mechanismus und wechselt mit Sophia in die Menschenwelt zurück. Ab jetzt beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Benutzen des Welteneis, hat Sophia den Stundenwächter auf sich aufmerksam gemacht. Er ist der Herrscher von Mekanis, einer Welt, in der alles mechanisch ist und ihm damit unterwürfig. In ihrer Welt braucht er nur jemanden zu berühren, um ihn zu einem willenlosen Roboter zu machen.
Theos und Sophias Aufgabe ist es nun, dafür zu sorgen, dass Oros, der Stundenwächter, wieder in seiner Welt verschwindet und dort für immer erstarrt. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellen soll.

Obwohl Sophia die Hauptprotagonistin des Buches von Ralf Isau sein soll, nimmt diesen Platz schon bald Theo ein. Theo stammt aus dem 16. Jahrhundert und erzählt im Laufe des Buches seine Geschichte, wie er in Mekanis gelandet ist, was es mit dem Weltenei auf sich hat und wie dessen Funktionsweise ist. Er erzählt uns von Oros, dessen Leben und Eigenschaften, sowie dessen Boshaftigkeit und weist uns außerdem immer wieder darauf hin, wie mechanisch unsere Welt geworden ist. Durch ihn hören wir von griechischen Personen, deren Namen dem ein oder anderen sicher geläufig sind. Er erzählt uns von seinem Meister Poseidonios, dessen Gehilfe Agamemnon, einem Flüchtigen namens Hyrkan und auch Pythagoras bleibt nicht unerwähnt. Während man sein Leben verfolgt, stellt er uns viele tolle Charaktere vor – wie etwa seine Freunde, die er in Mekanis gewonnen hat. Aus irgendeinem Grund besitzt Theo die Gabe, Maschinen zu beseelen, wenn er sie in dieser seltsamen Mechanikwelt berührt. Sobald er das tut, haben die Maschinen plötzlich einen freien Willen und handeln nicht mehr, wie es ihnen die Befehle ihres Herrschers vorschreiben. Auf diese Weise gewinnt Theo ein paar sehr ausgefallene Freunde hinzu.
Theo ist es auch, der uns die Nebencharaktere, die uns auf den 505 Seiten begegnen, belebt. Durch ihn erhalten wir jede Menge Hintergrundwissen zu den einzelnen Figuren, sodass sie nicht einfach nur ein Name bleiben. Geschickt verstrickt Ralf Isau hier eine Geschichte mit einem Text der randvoll an Informationen ist.
Sophia, die in den Zwischenkapiteln zur Geschichte von Theo die Hauptfigur ist, ist diejenige Figur, die das Abenteuer voranbringt. Durch sie kommt man immer näher an die Lösung heran, auf dessen Suche sie sind. Mit ihrer Luftbibliothek (dem Internet), begeistert sie Theo immer wieder. Da er aus dem 16. Jahrhundert stammt, ist das ganze neumodische Zeug schwer für ihn zu begreifen. Eines jedoch weiß er ganz genau – Oros kann jede Maschine beherrschen und kontrollieren. Genau das kommt ihnen auch immer wieder in die Quere, denn wo in unserer Welt, gibt es keine Technik? Vom Ipod bis zur Straßenampel ist alles mechanisch und damit für Oros verwendbar, um ausfindig zu machen, wo die beiden stecken und um sie aufzuhalten.
Oros ist der Böse in diesem Buch. Er ist der Stundenwächter, der die Zeit regiert – würde er jedenfalls gerne, denn es gibt ganz exakt eine Sache, die er nicht beherrschen kann – Uhren. Sie bleiben einfach stehen, wenn er kommt und unterwerfen sich ihm nicht. Gefährlich ist nicht nur seine Berührung, sondern auch sein Blick. Mit Stock und Brille als Blinder getarnt, macht er einen hilflosen Eindruck. Sobald er die Brille jedoch absetzt, ist sein Blick tödlich.
Neben diesen drei Figuren, die uns durch das gesamte Buch begleiten, tauchen viele weitere liebenswerte Charaktere auf, die der Leser ins Herz schließen wird. Ich habe ganz besonders den kleinen goldenen Bären Arki ins Herz geschlossen, über den ich euch aber nicht zu viel verraten will. Er ist auf jeden Fall eine tolle kleine helfende Hand, in diesem riesigen Zeitspektakel.

Was mir besonders gefallen hat:

Ralf Isau hat dieses Buch auf dem Hintergrund geschrieben, dass er sich mit dem Verschwinden der Zeit zwischen dem 4. und 15. Oktober 1582 auseinandergesetzt hat. Wir alle wissen vom gregorianischen Kalender, doch in wie weit stimmt das alles, was uns darüber erzählt wird? Wo sind die 10 Tage hin, die hier einfach verschwunden sind? Genau darum geht es in diesem Buch.
Wir haben hier also einen historischen Moment, um den sich alles zu drehen scheint. Um gleich in dieser historischen „Schublade“ zu bleiben, präsentiert uns Ralf Isau eine Geschichte, in der es von historischen Momenten und Personen nur so wimmelt. Wir hören vom Brand der Bibliothek von Alexandria, der Rettung wichtiger Papiere daraus, von griechischen Philosophen, sowie von griechischen Götter- und Heldensagen. Eine Mischung mit der Gegenwart, die die Geschichte lebendig werden lässt. Das macht Ralf Isau auch zu einem so außergewöhnlichen Schriftsteller. Ich kenne keinen zweiten, der die Vergangenheit so wunderbar mit der Gegenwart verbindet und daraus so fantastische Fantasybücher zaubert. Obwohl seine Bücher immer eine höhere Seitenanzahl haben, wirken sie auf mich sehr kurzweilig. Ich habe mich auch hier wieder keinen Moment gelangweilt.

Neben dem genannten historischen Punkt, spricht er außerdem einige Dinge aus dem „wahren Leben“ an. Er sorgt dafür, dass man sich Gedanken darüber macht, wie frei unser eigener Wille eigentlich ist, wie viel Selbstbestimmung wir noch haben und darüber, was ein einziger Gedanke für eine Wirkung erzeugen kann. „Sind wir uns der Wirkung unserer Gedanken auf unser Tun bewusst?“ Diese Frage stellt Ralf Isau im Nachwort zu seinem fantastischen Roman. Wenn man ihn gelesen hat, wird die Beantwortung der Frage mit Sicherheit nicht mehr so eindeutig ausfallen, wie sie am Anfang vielleicht noch erscheinen mag.
Mit seiner mechanischen Welt Mekanis, greift er der Frage voraus, was passieren würde, wenn wir plötzlich nur noch handeln, aber nicht mehr fühlen würden. Handeln setzt nicht voraus, dass wir unseren Verstand verwenden, sondern, dass wir dem Folgen, was uns vorgeschrieben wird. Sind wir bereits an dem Punkt angekommen, wo wir uns in genau diese Richtung bewegen? Ralf Isau ist und bleibt nicht unbedingt leicht verdaulich. Das, was er mit seinen Büchern erschafft, ist immer auch ein individuelles in sich Hineinhorchen.

Ralf Isaus Schreibstil, seine Ideen, Charaktere und Geschichten entführen mich jedes Mal erneut in eine fantastische Welt, die der unseren gar nicht so fern ist. Aus jedem Buch nehme ich mindestens einen Charakter mit, den ich danach nie wieder vergesse. Er schafft es tatsächlich, dass Nebencharaktere so wunderbar wirken, dass man sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Zusatz Altersempfehlung und Zielgruppe:

Was ich für weniger geschichtsbegeisterte Menschen etwas schwierig finde, ist die Fülle an Namen und kleinen Andeutungen auf verschiedene geschichtliche Epochen, Figuren etc. Damit könnte der Text für den ein oder anderen sehr ermüdend wirken oder auch etwas verwirrend sein. Vielleicht findet sich hier und da auch ein schwebendes Fragezeichen über den Köpfen. Wer sich also lieber mit „einfacher“ Fantasy auseinandersetzt, könnte es hier ein bisschen schwerer haben.
Gerade die Leseempfehlung ab 12 Jahren lässt mich etwas unschlüssig zurück. Ich glaube einfach, dass dieser Roman besser für höhere Alterskategorien geeignet ist, um den Text wirklich zu verstehen. Da die Hauptprotagonistin selbst 14 Jahre ist, denke ich, dass dies auch das geeignetere Lesealter ist, wenn betreffende Person zur Zielgruppe gehört.

Gestaltung:

Die Gestaltung des Covers ist einfach aber wirkungsvoll. Passend zum Titel wurde der verbotene Schlüssel abgebildet, der sich vom rot-schwarzen Hintergrund abhebt. Er hat ein paar Zahnrädchen, einen Flügel und hängt an einer Kette. Oben am Titel wurden ebenfalls zwei Zahnräder abgebildet. Die Gestaltung des Covers sagt im Endeffekt mehr aus, als es im ersten Moment den Anschein haben mag. Aber so ist es mit den Büchern von Ralf Isau immer. Selbst das unscheinbarste Element auf dem Cover, kann am Ende die größte Bedeutung haben.

Wertung:

Ich denke, aus obigen Text geht klar hervor, wie sehr mir dieses Buch gefallen hat. Für mich persönlich stimmt hier einfach alles – trifft es doch voll meinen eigenen Geschmack. Da ich allerdings wirklich denke, dass das Buch hier und dort etwas kompliziert und schwierig sein mag, wenn man sich mit griechischer Geschichte und Mythologie nicht so super auskennt und deshalb den Humor dahinter vielleicht auch nicht immer versteht und ich außerdem der Altersempfehlung nicht ganz zustimme, ziehe ich dem Buch einen Stern dafür ab und vergebe 4 Lila-Lesesterne.


Mittwoch, 8. Mai 2013

Rezension: Der Monstrumologe (Rick Yancey)





Titel: Der Monstrumologe
Reihe: Band 1 der Reihe „Der Monstrumologe“
Taschenbuchausgabe mit 411 Seiten
ISBN 978-3-7857-6040-6
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Preis: 14,99 Euro







Klappentext: 

Ein Waisenjunge.
Ein verrückter Doktor.
Und eine Welt voller Monster...

1888: Der Junge Will Henry ist ein Waisenkind und arbeitet als Assistent des kauzigen Dr. Warthrop. Der gute Doktor hat sich auf ein ganz besonderes Gebiet spezialisiert: Er ist Monstrumologe, das heißt, er studiert Monster und macht notfalls Jagd auf sie.

Eines Abends kommt ein Grabräuber zu Will und dem Doktor ins Labor. Er hat einen schrecklichen Fund gemacht: eine Leiche, in die sich ein zahnbewehrtes Monster verbissen hat. Der Doktor weiß, diese Monsterart ist äußerst gefährlich, da sie Menschen tötet und sich rasend schnell vermehrt. Und die einzigen, die nun zwischen diesen Bestien und den Menschen stehen, sind der Doktor und der kleine Will...

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Story und Charaktere:

Wie der Klappentext schon deutlich zeigt, hat man es in diesem Buch mit einem Monster der besonderen Art zu tun - sie nennen sich Anthropophagen und sind Menschenfresser.
Eingeleitet wird das Ganze durch einen Prolog der auf Juli 2007 datiert ist.
Der Direktor eines Heimes kümmert sich um den Nachlass eines Patienten namens Will James Henry, der vor kurzer Zeit dort entschlafen ist und Zeit seines Lebens behauptet hat, bereits im Jahre 1876 geboren worden zu sein. Hinterlassen hat er mehrere Tagebücher, die der Direktor einem jungen Mann aushändigt, damit sie gelesen werden. Da die Tagebücher sehr fiktiv klingen, tut er diese als "Roman" ab.
Mit dem ersten Folianten fängt dann das eigentliche Buch an, das in insgesamt drei Folianten unterteilt ist. Alle sind aus Sicht von Will Henry erzählt.
Im Jahre 1888, in dem die Bücher spielen, ist der 12jährige Will Henry der Assistent von Dr. Warthrop, dem ehemaligen Chef seines verstorbenen Vaters - der, während er noch am Leben war, nie wirkliche Details über die Arbeit, die er zu tun hatte, zu Hause erwähnte. Dies ist auch nicht verwunderlich. Dr. Warthrop ist nämlich Monstrumologe.

Das Buch kommt sehr schnell in Fahrt. Ein Grabräuber steht vor der Tür und liefert die Leiche einer jungen Frau an der Haustür der beiden Hauptprotagonisten ab. In diese hat sich ein Monster verkeilt und verbissen. Dr. Warthrop weiß sehr schnell, um was für eine Art Monster es sich hier handelt. Das „Ding“ wird obduziert, auseinandergenommen, dokumentiert und anschließend an die Kellerdecke gehängt. Wer schwache Nerven hat, sollte dieses Buch also besser im Bücherregal stehen lassen und sich einem unmonstrigeren Buch widmen, denn diese Szene ist bei weitem nicht die einzige, in der sehr viel Blut und Gedärme fließen.
Schon bald ist klar, worauf das Ganze hinausläuft. Der Monstrumologe und Will Henry müssen Jagd auf die restlichen Monster dieser Art machen und sie vernichten.
Um diese Jagd wird ein weites Netz gesponnen, dass die Geschichte dieser Monster, ihrer Herkunft und wie sie in diese Stadt gekommen sind, langsam zu einem kompletten Bild zusammensetzt.
Wie dringend es ist, dass diese Jagd so schnell wie möglich stattfinden und über die Bühne gebracht werden muss, wird klar, als ein schrecklicher Mord an einer Familie passiert, in der es nur einen Überlebenden gibt.

Während es vordergründig um die Monsterjagd geht, werden im Hintergrund die verschiedenen Charaktere beleuchtet. Wir erfahren von Dr. Warthrops schwierigem Verhältnis zu seinem Vater und warum Will überhaupt die Stelle des Assistenten innehat. Beide Protagonisten sind sehr unterschiedlich. Dr. Warthrops Lieblingsworte sind „Will Henry, mach fix!“, die auf praktisch jeder Seite auftauchen. Manche mögen dies als Störung im Lesefluss und als nervig empfinden, doch hat man sich erst einmal mit dem verschrobenen Charakter des kauzigen Doktors und der besonderen Beziehung, die er zu Will Henry hat, angefreundet, treten diese Worte schnell in den Hintergrund.
Will Henry scheint zunächst einfach blind die Befehle seines Meisters zu befolgen, der seinen Beruf so sehr liebt, dass er unregelmäßig isst und wenig schläft. Auch Will bekommt deshalb wenig Schlaf, da der Doktor ihn regelmäßig nachts zu sich in den Keller ruft. Dass Will aber keine Marionette des Doktors, sondern eher Opfer seiner eigenen Neugierde ist, wird dem Leser mit jeder Seite klarer. Da er die Arbeit des Doktors begleitet, braucht er einen stabilen Magen, den er leider nicht immer hat. Deshalb hat der Doktor für ihn einen Eimer neben dem Tisch bereitgestellt, um eventuelle Missgeschicke aufzufangen. Das ist aber auch schon der einzige Punkt, indem er Will gegenüber fürsorglich wirkt. Ansonsten ist Dr. Warthrop eher ein verantwortungsloser Mann, dem man kein Kind in Obhut geben sollte.

Was mir besonders gefallen hat:

Der Text ist angepasst an die Zeit, in der er spielt. Einige werden ihn vielleicht als antiquarisch empfinden, was das Buch nicht immer einfach macht. Da die Folianten aber in der Ich-Form geschrieben sind, muss der Text genauso sein, wie er ist, um ihn glaubhaft zu machen. Außerdem trägt dieser Schreibstil dazu bei, die drückende, gar düstere Stimmung noch mehr auszubauen, die sich durch den kompletten Text zieht.
Wir haben es hier mit einem rasanten Abenteuer der etwas anderen Art zu tun und wer genau das sucht, ist mit diesem Buch bestens beraten. Man hat es hier nicht, wie man vielleicht vermutet, mit einer einfachen Monstergeschichte zu tun. Dieses Buch ist viel mehr als das. Neben dem Abenteuer finden wir hier auch eine äußerst interessante Charakterstudie der beiden Hauptprotagonisten, die trotz ihrer merkwürdigen Art beide doch sehr symphatisch sind.
Ich kann nicht behaupten, dass mich dieses Buch auch nur auf einer einzigen Seite gelangweilt hat oder langatmig wurde. Alles passiert Knall auf Fall und man kommt beim Lesen selbst kaum zum Durchatmen. Es ist absolut nichts für schwache Nerven oder einen unruhigen Magen. In diesem Buch fließen viel Blut und jede Menge Gedärme. Es ist unglaublich spannend, aber trotzdem weit ab von dem, was ich sonst so lese.

Zusatz Altersempfehlung:

Obwohl das Buch eine Altersempfehlung von 14 Jahren hat und im Jugendbuchbereich zu erhalten ist, rate ich davon ab, mich auf dieses Alter zu verlassen. Das Buch ist wahnsinnig blutrünstig und sehr brutal. Ich war selbst mehr als erstaunt darüber und hätte es mir mit Sicherheit nicht gekauft, wenn ich das vorher gewusst hätte. In den USA ist es sogar in einem reinen Jugendbuchverlag erschienen, sodass ich mich tatsächlich fragen muss, ob diejenigen, die sich für das Buch verantwortlich zeigen, es vorher überhaupt gelesen haben. Keinesfalls sollte dieses Buch in die Hände von Kindern geraten. Meine eigene Empfehlung läge bei 16 Jahren.

Gestaltung:

Bei alldem stellt man sich vielleicht die Frage, warum ich dann trotzdem dieses Buch gewählt habe.
Mich hat das Cover unglaublich angesprochen. Als ich dann noch ein Blick in das Buch warf, kam ich gedanklich nicht mehr davon los. Es gibt mehrere ganzseitige Illustrationen, die dem Kopfkino sehr zuträglich sind und viele kleinere von Werkzeugen, die ein Doktor der Monstrumologie so verwendet - vor allem Zangen und messerartige Gegenstände. Alle Zeichnungen sind in schwarz-weiß gehalten. Die Gesamtaufmachung ist rundum durchdacht und hebt damit noch das Lesevergnügen an.

Zwei weitere Punkte finde ich noch besonders erwähnenswert:

1. Beim Lesen gibt es im Rücken keine unschönen Knicke, obwohl es sich NICHT um ein Hardcover handelt.

2. In der hinteren Klappe des Buches befindet sich ein Lesezeichen im Stil der Illustrationen, das einfach rauszutrennen und direkt für das Buch verwendbar ist.




Wertung:

Obwohl dieses Buch fern dessen ist, was ich sonst gerne lese, hat mich Rick Yancey mit dem Monstrumologen mehr als überzeugt. Die Geschichte ist so spannend und der Schreibstil so gut an die damalige Zeit angepasst, dass ich wirklich das Gefühl hatte, das Vermächtnis von Will Henry zu lesen. Es hat mich hier und da zwar das Gesicht verziehen lassen, aber im Grunde sind es genauso diese Dinge, die das Buch ausmachen und aus dem Titel einen wirklichen Monstrumologen werden lassen. Auch die Gestaltung ist einfach super gelungen und das nette Lesezeichen-Mitbringsel  ist doch eine tolle Sache.
Deshalb bekommt dieses etwas andere Buch von mir 5 Lila-Lesesterne.