Sonntag, 9. Juni 2013

Rezension: Zeitenzauber - Die magische Gondel (Eva Völler)






Titel: Zeitenzauber - Die magische Gondel
Reihe: Band 1 der Reihe "Zeitenzauber"
Verlag: Bastei Lübbe (Baumhaus)
Hardcoverausgabe mit 336 Seiten
ISBN 978-3-8339-0026-6
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 14-17 Jahre
Preis: 14,99 Euro







Klappentext: 

Eine rote Gondel
Eine seltsame Maske
Ein Reisender zwischen den Zeiten

Die 17-jährige Anna verbringt ihre Sommerferien in Venedig. Bei einem Stadtbummel erweckt eine rote Gondel ihre Aufmerksamkeit. Seltsam. Sind in Venedig nicht alle Gondeln schwarz? Als Anna kurz darauf mit ihren Eltern eine historische Bootsparade besucht, wird sie im Gedränge ins Wasser gestoßen - und von einem unglaublich gut aussehenden jungen Mann in die rote Gondel gezogen. Bevor sie wieder auf den Bootssteg klettern kann, beginnt die Luft plötzlich zu flimmern und die Welt verschwimmt vor Annas Augen...

"Eine ebenso romantische wie spannende Zeitreise in wunderbarer Kulisse, voller Witz und Charme. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Unbedingt lesen!" Kerstin Gier, Autorin der Edelstein-Trilogie

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Story und Charaktere:

Die 17jährige Anna ist ein ganz normaler Teenager, der eigentlich keine Lust hat, mit seinen Eltern den Urlaub im langweiligen Venedig zu verbringen. Ihr Vater, ein angesehener Archäologe, hat dort jedoch zu tun. Zu dumm, dass Anna so gar kein Interesse an dem hat, was ihr Vater ihr erzählt. Das wäre in nächster Zeit eventuell sehr hilfreich gewesen, denn von einem zum anderen Moment landet Anna, während der großen, bekannten Bootsparade, plötzlich splitterfasernackt im Jahre 1499. Nach dem ersten Schock und neuen, der Zeit angemessenen Klamotten, bringt ein junger Mann, den sie Bart nennt, sie zu einer Kräuterhandlung, wo sie auf Sebastiano warten soll, der sie zurück in ihre Zeit bringt. Sebastiano ist ein gutaussender junger Mann, etwas älter als Anna, den sie bereits aus ihrer Zeit kennt. Dummerweise läuft nicht alles so, wie Anna es erwartet hat und für die nächste Zeit und ein riesiges Abenteuer lang, sitzt sie im Venedig des 15. Jahrhunderts fest. Dass sie nicht „einfach so“ dort gelandet ist, wird ihr schon bald klar. Doch kann sie die Aufgabe erfüllen, die man ihr übertragen hat?

Anna ist die Hauptprotagonistin des Buches, die die Geschichte in der Ich-Form erzählt. Bei Büchern aus dieser Perspektive bin ich immer skeptisch, doch hier ist es die genau richtige Variante. So können wir hautnah mitverfolgen, wie es ihr geht, was sie denkt, was sie fühlt und wie ihr die Sperre dauernd in die Quere kommt. Die sogenannte „Sperre“ verhindert, dass Anna Dinge über die Zukunft erzählen kann, moderne Wörter wie „IPod“ oder „Kumpel“ in ihre Sprache integriert oder sonst irgendwie sprachlich auffällig ist. Wie gut, dass es da zusätzlich den automatischen Translator gibt, der einfach andere Wörter aus ihrem Mund kommen und sie sogar eine andere Sprache sprechen lässt.
Auf der Suche nach Antworten auf das „Warum?“, lässt sie in keiner Sekunde locker. Sie will verstehen, was mit ihr passiert ist und passieren wird, ist sehr neugierig und bringt sich dadurch immer wieder selbst in Schwierigkeiten.
Sich in der neuen Zeit zurechtzufinden wird ihr durch die ebenfalls in der Kräuterhandlung lebenden Clarissa erleichtert, die ebenfalls durch einen Zeitsprung im 15. Jahrhundert gelandet ist. Sie ist allerdings schon seit 5 Jahren dort und hat ihre Chance in ihre Zeit zurückzukehren verpatzt, da sie ihre Aufgabe nicht ernst genommen hat. Glücklich ist sie mit der derzeitigen Situation nicht, hätte es aber wesentlich schlechter treffen können.
Sebastiano ist zunächst ein sehr nebulöser, mystischer Charakter, dessen Rolle man schwer deuten kann. Er ist es, der die Fragezeichen um das ganze Abenteuer entstehen lässt und den Leser auf diese Art drängt, weiterzulesen, um endlich die Geheimnisse um den Zeitsprung von Anna zu lüften. Im Verlauf des Buches nimmt er jedoch immer mehr an Gestalt an, sodass man auch von ihm am Ende ein gutes Bild hat.

Auf der anderen Seite gibt es noch die Gegenspieler der Zeitreisenden. Sie sind überhaupt Schuld daran, dass beispielsweise Anna in ihrer Zeit gelandet ist. Zu viel möchte ich über diese Seite der Charaktere nicht verraten, doch seid versichert – sympathisch sind sie nicht.

Die auftauchenden Nebencharaktere wie die Kurtisane Marietta, die Witwe Dorothea oder die Familie Tasselhoff geben der Geschichte die nötige Tiefe, um aus der einseitigen Ich-Erzählung eine fantastische All-round-Geschichte zu machen. Jeder Charakter steht für sich selbst, hat seine eigenen Eigenschaften und ist meistens schwer einzuschätzen. Man wundert sich, wie oft man am Ende mit seiner Einschätzung doch danebenliegt. Doch wie sollte es auch anders sein? In einem Zeitreiseroman ist eben nie etwas genau so, wie es anfangs zu sein scheint.

Was mir besonders gut gefallen hat:

Besonders gefallen hat mir, dass trotz Ich-Erzählung eine runde Geschichte vorliegt, die beim Lesen überhaupt nicht einseitig oder langweilig wird. Nach dem Zeitsprung von Anna wird die Spannung durchgängig gehalten und animiert den Leser dazu, sich in Anna hineinzuversetzen und sich selbst all die Fragen zu stellen, die Anna an ihr Abenteuer hat. Dadurch, dass man keine Zusatzinformationen erhält, steht man immer auf demselben Wissenstand wie die Protagonistin. So fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen, denn natürlich möchte man wissen, warum alles so passiert, wie es passiert.

Ganz nebenbei erfährt man auch noch so einiges über das Venedig des 15. Jahrhunderts, lernt Gepflogenheiten dieser Zeit kennen und erhält einen kleinen Einblick in das damalige Leben – gesellschaftlich, wie politisch. Da im Text auch zu der Zeit gängiges Vokabular verwendet wird, sowie diverse Titel für verschiedene Positionen, bekommt man außerdem eine kleine Einführung in sprachliche Elemente dieser Zeit. Um sie besser zu verstehen, ist jedes uns eventuell nicht geläufige Wort mit einem Sternchen gekennzeichnet, dessen Erklärung sich am unteren Seitenrand findet.

Der Sprachstil des Buches ist sehr einfach. Da Anna aus ihrer Sicht erzählt, verwendet sie das ganz normale aus unserer Zeit stammende Vokabular, um ihre Geschichte zu erzählen. So braucht man sich also nicht davon abschrecken lassen, dass die Geschichte im Jahre 1499 spielt.
Neben dem einfachen Sprachstil, besticht die Geschichte dadurch, dass sie sehr flott erzählt wird und keine unnötigen Längen entstehen. Bei einer Geschichte, in der so viele Informationen untergebracht werden müssen, wie in dieser, keine Selbstverständlichkeit.

Neben der Geschichte und den Einblicken in das Venedig des 15. Jahrhunderts hält das Buch aber auch noch etwas anderes für den Leser bereit. Es führt uns vor Augen, wie gut wir es in der heutigen Zeit haben, welchen Luxus wir genießen, weil beispielsweise warmes Wasser aus der Leitung kommt und Shampoo, Spülung sowie Duschgel zum Alltag gehören. Man lernt beim Lesen eine Seite des Lebens kennen, die uns völlig fremd ist und die wir uns für uns selbst sicherlich nicht vorstellen können. Nach dem Lesen weiß man die ein oder andere Kleinigkeit unseres Lebens sicher gleich wieder zu schätzen – ist doch vieles heute selbstverständlich.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Leider gibt es im Buch keine Einteilung in Kapitel. Das Buch teilt sich einfach in vierTeile auf, zwischen denen es keine Einzelkapitel, sondern nur durch eine kleine Sonne angedeutete Absätze gibt. Das fand ich sehr schade, da man so immer irgendwie mitten in der Geschichte abbrechen musste, ohne das Gefühl zu haben, an einem abgeschlossenen Punkt, wie es bei in sich geschlossenen Kapiteln der Fall ist, eine Lesepause einzulegen. Nicht sehr lesefreundlich, wie ich finde.

An der Geschichte selbst blieben die ein oder andere Frage offen, die durch die unerwartete Lösung des Problems entsteht, mit dem Anna sich herumschlägt. Das Ende hatte für mich eine ziemliche Logiklücke, die ich mir nach wie vor nicht erklären kann und die ich einfach so hinnehmen musste. Schade, denn ohne diesen Punkt wäre die Geschichte für sich eine runde Sache für mich gewesen.

Gestaltung:

Der petrolfarbene Hintergrund mit einem hellen vollen Mond hinter einer roten Gondel mit ebenfalls petrolfarbener Insassin lenkt die Blicke auf sich. Gerahmt wird die Hauptszene von einem Tierkreiszeichen. Im unteren Bereich finden sich im Halbkreis angeordnete römische Ziffern. Sämtliche Abbildungen stehen in Verbindung zum Inhalt des Buches, wie der Leser schnell herausfinden wird.
Das Cover überzeugt schon durch seine Farbgebung mit der Verwendung von Komplementärfarben und vermittelt bereits beim ersten Anblick einen magischen Eindruck.
Wenn man aufklappt wird man von einem Sternenhimmel empfangen, der aus stilisierten Sternen besteht und sofort Lust aufs Lesen macht.

Die Unterteilung in 4 Abschnitte wird jedes Mal von einer kleinen Illustration begleitet, die bereits einen kleinen Hinweis auf das gibt, was im Folgenden eine Rolle spielen wird. Jede Seitenzahl wird umrahmt von einem kleinen muschelartigen Element.

Ein Gesamteindruck, der mich vollkommen überzeugt hat.

Wertung:

Bis auf die entstandene Logiklücke am Ende konnte mich „Zeitenzauber“ fesseln, begeistern und trotz Ich-Erzählung so sehr bei der Stange halten, dass ich direkt zum zweiten Band greifen muss. Die Gestaltung hat mich mehr als überzeugt, wurde sich hier doch innen wie außen wirklich viel Mühe gegeben der Geschichte den passenden Rahmen zu geben. Ich vergebe, nach Abzug der Logiklücke und der fehlenden Kapiteleinteilung gerne 4 Lila-Lesesterne an den ersten Band von „Zeitenzauber“.


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