Montag, 22. September 2014

Rezension: "Ein Buchladen zum Verlieben" (Katarina Bivald)







Titel: Eine Buchhandlung  zum Verlieben
Reihe: nein
Verlag: btb
Hardcoverausgabe mit 446 Seiten
ISBN 978-3-442-75456-4
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis:  19,99 Euro







Klappentext:

Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft. Die 65-jährige Amy aus Iowa und die 28-jährige Sara aus Schweden verbindet eines: Sie lieben Bücher – mehr noch als Menschen. Begeistert beschließt die arbeitslose Sara, ihre Seelenverwandte zu besuchen. Als sie jedoch in Broken Wheel ankommt, ist Amy tot. Und Sara plötzlich mutterseelenallein. Mitten in der Einöde. Irgendwo in Iowa. Doch Sara lässt sich nicht unterkriegen und eröffnet mit Amys Büchersammlung einen Laden. Und sie erfindet neue Kategorien, um den verschlafenen Ort für Bücher zu begeistern: »Die verlässlichsten Autoren«, »Keine unnötigen Wörter«, »Für Freitagabende«, »Gemütliche Sonntage im Bett«. Ihre Empfehlungen sind so skurril und liebenswert wie die Einwohner selbst. Und allmählich beginnen die Menschen aus Broken Wheel tatsächlich zu lesen – während Sara erkennt, dass es noch etwas anderes im Leben gibt außer Büchern. Zum Beispiel einen ziemlich leibhaftigen Mr. Darcy …


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Story und Charaktere:

Sara und Amy verbindet eine Freundschaft über Altersgrenzen und Kontinente hinweg. Zwischen Schweden und den USA fliegen Briefe mit beigelegten Büchern hin und her, denn beide Frauen verbindet ihre ganz besondere Leidenschaft zum geschriebenen Wort und zu all den Welten, die damit erschaffen werden können.
Irgendwann ist den beiden Brieffreundinnen das Briefeschreiben nicht mehr genug und sie beschließen, sich bei Amy in Broken Wheel, Iowa zu treffen, um gemeinsam ein wenig Zeit zu verbringen, ihrem Hobby nachzugehen und ganz viel über die Inhalte ihrer Lieblingsbücher zu quatschen. Dieses Treffen läuft allerdings anders als geplant, denn bei Saras Ankunft ist Amy verstorben. Da Saras Rückflug erst drei Monate später stattfinden soll, weiß sie nicht genau, was sie jetzt tun soll. Bevor sie jedoch weiter darüber nachdenken kann, nehmen sich die Menschen aus Broken Wheel ihrer an. Amys Haus wird Saras neue Unterkunft, wo sie für die Dauer ihres Aufenhaltes mietfrei wohnen soll. Alle behandeln sie wie einen Gast und sind sehr zuvorkommend, sodass sich bei Sara schon bald ein schlechtes Gewissen breit macht. Sie beschließt, der Stadt etwas zurückzugeben. So entsteht in der kleinen Stadt, mit mehr geschlossenen als offenen Läden, schon bald ein kleiner Buchladen, den Sara mit Amys und ihren 16 eigenen mitgebrachten Büchern füllt. Zwar hat die Leidenschaft für's Lesen noch nicht auf die Menschen übergegriffen, doch
plötzlich zeigt die kleine sterbende Stadt, wie viel Leben ihr steckt.

Sara kommt aus Schweden, hat dort gerade ihren Job in einer Buchhandlung verloren und will die willkommene Abwechslung ihres Besuches in Iowa dazu nutzen, wieder zu sich selbst zu finden, um danach neu anfangen zu können. Das geht natürlich am besten, wenn man sich die Zeit bis dahin mit jemandem vertreibt, der die gleiche Leidenschaft zur selben Sache wie man selbst teilt.  Doch plötzlich steht sie vor einem Problem: in Iowa erwartet sie eine tote Amy. Zunächst mit der Situation überfordert, wird die junge Frau von den ortsansässigen Broken Wheelern an die Hand genommen. Dabei trifft Sara auf alle Menschen, die sie bereits aus Amys Briefen kennt. Innerhalb kürzester Zeit findet sie heraus, welchen Stellenwert Amy in der Stadt eingenommen und welche Lücke sie hinterlassen hat. Da alle Einwohner versuchen, ihr ein gutes Gefühl zu geben und sie wie einen rundum versorgen Gast behandeln, bekommt Sara jedoch bald ein schlechtes Gewissen und beschließt, nicht nur etwas von der Stadt anzunehmen, sondern ihr auch etwas zurückzugeben.
Alle ihre Versuche, den Bewohnern bei diversen Dingen ihre Hilfe anzubieten, schlagen allerdings fehl. So entwickelt sie schließlich einen ganz besonderen, verrückten Plan – sie will in Amys Namen einen Buchladen mit Amys Büchern eröffnen, obwohl Broken Wheel zu den sterbenden Städten zählt und dort niemand liest.
Zu Beginn des Buches erscheint Sara dem Leser noch sehr naiv. Sie scheint die Dinge, die ihr in den Kopf kommen, ohne große Grübelei einfach in die Tat umzusetzen. Dabei geht sie immer von dem aus, was sie selbst fühlt, ohne ihre Umgebung mit einzubeziehen. Und selbst, wenn sie es tut, scheint dies keinen Einfluss auf ihre Entscheidungen zu haben. Sara vertraut dabei einfach auf ihr Bauchgefühl und wirkt dadurch sehr spontan.
Gegenüber ihren Mitmenschen ist sie sehr offen, was sie zu einem außerordentlich kontaktfreudigen Menschen macht. Sie ist sehr herzlich und engagiert, wird aber von außen oft als Sonderling wahrgenommen. Schuld daran ist ihre Liebe zum Buch. Wann immer man Sara antrifft – ihre Nase scheint immer zwischen zwei Buchdeckeln zu stecken. Gerade in Broken Wheel, wo eigentlich niemand liest, macht das einen seltsamen Eindruck und sorgt für Gesprächsstoff.
Diesen Eindruck versucht Sara mit ihrem neuen Buchladen zu revidieren, indem sie zu eher unkonventionellen Mitteln greift, die dafür sorgen, dass die Broken Wheeler nicht nur plötzlich selbst lesen, sondern sogar andere Städte dazu bringen, einen Ausflug ins sterbende Broken Wheel zu machen.
Warmherzig, gewitzt, spontan, unheimlich blauäugig und naiv, bringt Sara eine Stadt dazu, wieder tief einzuatmen und ihr Leben einzuhauchen. Ein so sympathischer Charakter wie Sara ist mir schon lange nicht mehr begegnet. Sie lässt sich durch nichts unterkriegen, versprüht jede Menge Lebensfreude und ist durch ihre manchmal unbeholfene, naive Art sehr authentisch.

Obwohl Amy im Buch nicht als handelnde Person auftritt, lernt der Leser sie und ihre Stadt mit all den Leuten die darin wohnen, sehr gut kennen. Immer wieder werden Briefe von ihr zwischen die Kapitel geschoben, die dafür Sorgen, dass Amy einen mindestens genauso großen Platz wie Sara in dieser Geschichte einnimmt. Sie hilft uns dabei, Broken Wheel durch ihre Augen zu sehen. Gerne hätte ich auch eine solche Brieffreundin.

Über die Bewohner von Broken Wheel möchte ich nichts verraten. Ich habe sie alle in mein Herz geschlossen. Diese Stadt muss man einfach selbst erlebt haben.

Obwohl die Geschichte so einfach und alltäglich anmutet und man sich vielleicht fragt, wie man über so viele Seiten am Ball bleiben soll, ist sie eben doch alles andere als einfach und alltäglich. Diese Geschichte ist so besonders, wie die Stadt in der sie spielt. Story und Charaktere haben mich mehr als überzeugt.

Was mir besonders gefallen hat:

Neben der Geschichte an sich und all den darin vorkommenden Charakteren, hat mir vor allem der Schreibstil sehr gut gefallen. Er ist locker und anmutend, flüssig und geradezu zart. Die Autorin scheint Bücher genauso zu lieben wie Sara, hat sie doch gekonnt gezeigt, wie man ein Buch über Bücher schreibt.

Angepasst an den tollen Schreibstil, ist der Sprachstil des Buches. Gekonnt werden hier verschiedene Ebenen eingesetzt, um Broken Wheel und seinen Bewohnern das passende Beiwerk zu liefern. Gerade beiden diversen Beschreibungen sitzt jedes Adjektiv am passenden Platz. Dem Leser wird die ganze Zeit ein fantastisches Kopfkino geboten, das mit seichter Spannung, einer Prise Humor und explosiver Emotionen dafür sorgt, dass man dieses Buch nicht aus der Hand legen kann.
Auch Amys Briefe müssen an dieser Stelle noch einmal Erwähnung finden, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen. Am Anfang erscheinen sie noch relativ häufig, nachher werden es weniger. Es scheint, als hätte Broken Wheel eine würdige Nachfolgerin für Amy gefunden, als hätte Amy sich langsam auf leisen Sohlen davon gemacht.

Die Liebe zum Buch, die ich selbst so gut kenne und die Sara und mich vielleicht zu guten Freundinnen machen würde, findet in dieser Geschichte einen großen Platz. Immer wieder werden Buchtitel genannt, oder man spricht sogar über eben diese, sodass man nach dem Lesen das Bedürfnis hat, sich ebenfalls alle genannten Titel zuzulegen zu wollen, die man noch nicht kennt. Bücher sind eben doch ein zentraler gesellschaftlicher Punkt, ob man will oder nicht.

Insgesamt ist dieses Buch zwar von Büchern als wichtige Stützpfeiler getragen, doch das was sie halten sollen, ist noch viel größer. Zwischenmenschliche Beziehungen, Freundschaften, Vertrauen, Zusammenhalt – das Leben selbst – all das spielt eine noch viel größere, wunderbare Rolle.

Gestaltung: 

Ein rotes Band, auf dem eine kleine Stadt, einige Bücher und zwei Frauen abgebildet wurden, ziert das Cover dieses Buches. Ich fand es schon beim ersten Anschauen sehr schön, nach dem Lesen kann ich sagen: Es passt wie die Faust aufs Auge. Besonders die Verbindung durch „den roten Faden“ finde ich sehr gelungen.

Wertung:

Schon nach der Leseprobe wusste ich: Dieses Buch muss ich haben. Bis zur letzten Seite habe ich mitgefühlt, den Atem angehalten und die Augenbrauen hochgezogen oder skeptisch zusammengekniffen. Dieses Buch ist kein kitschiger, abgegriffener Roman, der sich nur um Bücher dreht – es ist eine Geschichte, die aus dem Leben gegriffen sein könnte, die mit authentischen Charakteren aufwartet und die zeigt, wie viel ein Einzelner im Alltagstrott bewegen kann. Ich habe mich in Broken Wheel verliebt und vergebe deshalb ganz klare 5 Lila-Lesesterne und eine Leseempfehlung.


Dienstag, 9. September 2014

Rezension: "Die verborgenen Pforten - Gedankendiebe" (Michelle Kaden)






Titel: Die verborgenen Pforten - Gedankendiebe
Reihe: Band 2 der Reihe "Die verborgenen Pforten"
Verlag: Pepperbooks
Hardcoverausgabe mit 382 Seiten
ISBN 978-3943315-07-3
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis:  14,95 Euro





Klappentext:

"Was bist du?", wollte Cahil fassungslos wissen. Entsetzen erfasste ihn.
"Ich bin ein Spinnenmensch. Manche nennen mich auch Gedankendieb", stellte sich das Wesen in höflichem Spott vor. "Ich bin aus der Angst und den Alpträumen der Menschen dieser Welt geschaffen. Und da haben wir etwas gemeinsam, mein kleiner Freund. Denn auch du bist zur Hälfte ein grausiger Gedanke!"

Die Fantasy-Trilogie geht weiter. Im zweiten Band müssen die Freunde eine gefährliche Reise auf sich nehmen, um das Rätsel der verborgenen Pforten zu lösen und ihre Welt Sora Minoo zu retten.
Etwas Unheilvolles hat sich an ihre Fersen geheftet: Was geschieht, wenn du dir deiner eigenen Gedanken und Erinnerungen nicht mehr sicher sein kannst?

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Story und Charaktere:

Leila, Carla, Vincent und Roger sind endgültig in der Welt von Janosch und seiner Mutter Vanessa, der Hüterin der Pforte, gefangen. Carlas Vater hat sie an diese Welt verraten und dort allein gelassen. Eines hat er jedoch nicht mitgenommen: Das Tagebuch hinter dem alle her sind. In genau diesem finden sich die Koordinaten zu weiteren Pforten, die die Kinder in ihre Welt zurückbringen können. Ganz, wie es sich für einen Erwachsenen gehört, verbietet Janoschs Mutter den Kindern jedoch, die Pforten direkt aufzusuchen. Allen Verboten zum Trotz, nutzen sie dennoch die erstbeste Gelegenheit, sich gemeinsam mit Janosch auf den Weg zu machen, die Chance zu nutzen, zurück in ihre Welt jenseits der Pforten zu gelangen. Dabei stürzen sie sich in ein Abenteuer, mit dem keiner von ihnen gerechnet hätte. Wanjas Gegenspieler und sogenannte Gedankendiebe sind ihnen dicht auf den Fersen. Leila und ihre Freunde schaffen es jedoch, ihnen immer einen winzigen Schritt voraus zu sein. Einer dieser Schritte läuft jedoch ganz entgegen ihrer Vorstellungen und zwingt Janosch dazu, die Welten mit seinen Freunden zu wechseln. Ob sie so ihren Verfolgern entkommen? Ob Janosch es zurück in seine Welt schafft?

Der 14jährige Janosch, der im Laufe des Buches 15 Jahre alt wird, kann seine neue Freunde und ihr Heimweh nach Zuhause sehr gut verstehen. Deshalb beschließt er auch, sich gegen die Verbote seiner Mutter zu stellen und Leila, Carla, Vincent und Roger dabei zu helfen, schnellstmöglich in ihre Welt zurückzukehren. Dies scheint zunächst nicht allzu schwierig, stellt ihn aber schon bald vor Herausforderungen, denen er keinesfalls ausgesetzt sein sollte. Durch sein naives Handeln bringt er nicht nur sich, sondern sie alle in Gefahr.
In diesem Teil erfährt man nun auch endlich mehr über Leila und lernt, sie besser einzuschätzen. Sie tritt mehr in Aktion, steht sogar einige Male im Vordergrund. Während sie sich in der einen Situation typisch mädchenhaft verhält, ihrer Angst freien Lauf lässt und sehr verschreckt wirkt, zeigt sie in anderen Situationen, dass sie aus einer Königsfamilie stammt und sie das Zeug dazu hat, die zukünftige Königin zu werden.
Die Werwölfin Clara zeigt wieder ihr ganzes Repertoire an Charaktereigenschaften, das sie besitzt. Dieses beinhaltet sowohl eine sehr sensible und verletzliche, aber auch eine mutige, starke und kämpferische Seite. Es ist sehr interessant, diesen Charakter noch näher kennenzulernen. Besonders als sie in eine Identitätskrise gerät und ihr bisheriges Weltbild über Werwölfe und ihre Familie mehr und mehr durcheinander geworfen wird, fühlt man mit ihr mit und versucht, die gleichen Dinge zu hinterfragen wie sie es tut.
Vincent fällt auch in diesem Band wieder durch seinen ewigen Kampf mit sich selbst auf. Dieses Mal jedoch traut er sich mehr zu als die anderen um sich herum und muss auch manchmal ganz schön einstecken. Sein Selbstbewusstsein steigert sich allerdings kontinuierlich und er kommt immer mehr aus sich heraus. Auch er sieht sich mit Dingen aus seiner eigenen Geschichte konfrontiert, die sein zukünftiges Leben und seine Sicht der Dinge beeinflussen werden.
Der Vampir Roger ist auch in diesem Band wieder einer meiner Lieblingscharaktere. Er ist sehr spontan und humorvoll und sorgt dafür, dass man trotz aller Spannung auch hier und da nochmal schmunzeln kann.

Besonders gefallen hat mir, dass in diesem Band die speziellen Fähigkeiten der einzelnen Charaktere eine größere Rolle spielen. Diese Fähigkeiten habe ich bewusst nicht benannt, sollen diese doch gegenüber dem Leser für sich selbst sprechen.

Der Charaktermix der Freunde hat mir auch schon im ersten Band sehr gefallen und wird hier sehr gut weiter ausgeführt.. Die Freunde wachsen fester zusammen, durchstehen die unglaublichsten Situationen und lernen, sich aufeinander verlassen und einander vertrauen zu können. „Gemeinsam sind wir stark“ könnte ihr Motto sein, trotzen sie doch zusammen allen Widrigkeiten, die sich ihnen in den Weg stellen.


Anders als im ersten Buch, kommen im zweiten Teil noch viele weitere Charaktere zum Einsatz. Cahil, ebenfalls ein Junge aus der Welt von Leila & Co., stößt zu den fünf Freunden und wird soetwas wie eine Leitfigur für sie. Wer ihn warum geschickt hat, wissen sie nicht. Mir als Leser fiel es immer wieder schwer, Cahil richtig einzuschätzen. Obwohl er als Spion unterwegs und hinter dem Tagebuch der Freunde her ist, scheint es, als würde er sich in eine völlig andere Richtung zu entwickeln. Als würde er die Freundschaft der fünf Kinder genießen und endlich etwas haben, woran er festhalten kann. Ob der Schein trügt oder nicht und auf wessen Seite er steht – das muss wohl jeder Leser selbst für sich herausfinden und für den Moment entscheiden.
Mir hat diese Figur deshalb so gut gefallen, weil sie, wie Roger im ersten Teil, auf unsere Welt sehr speziell reagiert. Genau so, wie man es von jemandem erwarten würde, der aus einer ganz anderen Welt plötzlich in unserer abgesetzt wird. Dies sorgt für einige Schmunzelmomente.

Die Gedankendiebe, Wanja, Claras Vater, die Eltern der anderen Freunde und viele weitere Charaktere werde ich hier nicht weiter ausführen. Insgesamt wird hier ein spannungsgeladener Mix an Charakteren geboten, die alle eigenständig betrachtet und eingeordnet werden können. Jeder Charakter erhält so viel Platz, wie er benötigt, um als solcher beim Leser anzukommen. Kein Charakter bleibt blass, obwohl viele Fragen offen bleiben.
Auch in diesem Teil konnten mich deshalb Story und Charaktere gleichermaßen überzeugen.

Was mir besonders gefallen hat: 

Wie beim Aufbau einer guten Geschichte, haben wir es mit dem zweiten Band von der Einleitung (Bd.1) nun zum Hauptteil geschafft. Nachdem Band 1 uns die wichtigen Charaktere und ihre Denk- und Handlungsweisen präsentiert hat, uns die Welt jenseits der Pforten gezeigt und ein Gefühl dafür hat entwickeln lassen, purzeln wir in Band 2 nahtlos zurück ins eigentliche Abenteuer – die Rückkehr der vier Freunde in ihre Welt.
Der Sprachstil des Buches ist dieses Mal ein anderer, als noch in Band 1. Die Autorin scheint sich diesbezüglich weiterentwickelt zu haben und präsentiert zwar einen immer noch flüssigen und lockeren, dieses Mal aber gehobeneren Stil als noch im ersten Buch. Anders ist auch die Geschwindigkeit der Geschichte.
Während ich Band 1 noch als relativ seicht empfand, ist Band 2 sehr spannungsgeladen. Dieses Mal wird auch nicht auf Gewalt verzichtet, was allerdings der Geschichte geschuldet ist, die andernfalls weniger authentisch gewesen wäre. Dabei ist der Spannungsbogen hier wieder nicht linear, sondern wird immer wieder durch kurze Ruhepausen unterbrochen, in denen die Kinder und Leser aufatmen können. Die Wendungen der Geschichte sind nicht vorhersehbar, sodass das Abenteuer nie so weitergeht, wie man es selbst vermuten würde.
Was mir auch hier wieder sehr gut gefallen hat, ist, dass die Autorin nach wie vor Wert darauf legt, die Charaktere nicht mit übermenschlichen Fähigkeiten auszustatten und sie nahezu unverwundbar und perfekt zu machen, sondern, dass sie immer noch die Schwächen der einzelnen Charaktere in den Vordergrund stellt. Mit eben diesen Schwächen haben die Charaktere immer wieder zu kämpfen, was sehr zur Authentizität der Geschichte beiträgt.
Dass die Geschichte wie ein Film im Kopf ablaufen kann, ist der Art und Weise geschuldet, wie die Autorin in Band 1 und 2 gleichermaßen nur so viel Information über die Welt um die Kinder herum preisgibt, dass noch genug Raum für die eigene Fantasie bleibt. Dies hat auch im zweiten Band wieder dafür gesorgt, dass man das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Da es aber sehr viel mehr Seiten hat, als noch Band 1, muss man dies hin und wieder tun.

Obwohl der Hauptcharakter dieser Reihe ein Junge ist, eignen sich „Die verborgenen Pforten“ für Jungs und Mädchen gleichermaßen. Durch Leila und Clara fühlen sich auch weibliche Leser sehr gut in diesem Buch aufgehoben. Da die Autorin die Geschichte ziemlich gleichmäßig auf die Charaktere verteilt, kommt niemand zu kurz. Durch die Charaktereigenschaften der einzelnen Charaktere, zu denen auch ihre Schwächen zählen, dürfte sich hier jeder hin und wieder selbst wiederfinden. Dies gilt auch für ältere Leser dieses Buches.
Das wohl größte Thema dieser Geschichte ist dieses Mal die „Freundschaft“, die ganz unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“, steht. Gleich daran anknüpfend spielt auch die „Toleranz“ wieder eine große Rolle, die ihren Höhepunkt nicht zwischen den Kindern, sondern zwischen den Werwölfen und Vampiren findet. Wer zwischen den Zeilen liest, wird hier noch weitere Werte finden, die sich vom Buch aufs Leben übertragen lassen. Dies sind Zwischenzeiler mit besonderer Bedeutung.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Wie es aussieht, umfasst die Geschichte um Janosch und seine Freunde einen sehr großen Zeitraum von mehreren Monaten, der sich mir durch die schnelle Erzählweise irgendwie nicht ganz erschlossen hat. Da alles nahtlos ineinander überzugehen scheint und meistens von einigen Tagen die Rede ist, hat es mich sehr verwundert, als ich plötzlich Stellen las, die von Monaten sprachen. So kam ich hier und da ein wenig mit dem Ablauf der Geschichte ins Straucheln.

Was ich dieses Mal nicht so gut fand, wie im ersten Band, waren die Textpassagen, die sich nicht mit den Kindern befasst haben. Waren eben diese Passagen im ersten Band noch auf die Eltern von Leila & Co. bezogen und wie die Suche nach den Kindern vorangeht, sind dieses Mal sehr viele verschiedene Stränge präsent. Diese werden auch nicht durch Kapitel voneinander abgegrenzt, sondern durch Absätze, sodass man sich ab und zu stirnrunzelnd in einer völlig anderen Situation wiederfindet, als noch 5 Zeilen zuvor. Diese vielen unterschiedlichen „Brüche“ fand ich stellenweise schwierig, da sie mich aus dem Lesefluss katapultiert haben.

Zusatz: Altersempfehlung: 

Das Buch ist für das Alter von 10-12 angegeben. Ich persönlich finde, dass „ab 12“ eine bessere Altersgrenze gewesen wäre, da das Buch, wie bereits erwähnt, nicht ohne Gewalt auskommt und es einige unschöne Szenen gibt, die ich einem 10jährigen eventuell noch nicht so einfach in die Hand drücken würde.
Auch bin ich mir nicht sicher, wie gut jüngere Leser mit den verschiedenen Erzählsträngen zurechtkommen, die mich selbst immer wieder aus dem Lesefluss geworfen haben.

Gestaltung:

In Anlehnung an Band 1 sehen wir hier wieder eine geöffnete Tür, die uns einen Blick in ein Zimmer verwerfen lässt. Man sieht eine Kommode, ein wenig Stroh auf dem Boden, und einen vom durchs Fenster fallenden Licht beleuchteten Traumfänger, auf dem das Hauptaugenmerk liegt. Natürlich möchte man sofort herausfinden, was es mit diesem Raum auf sich hat, sodass man sich diesem Buch nur schwer entziehen kann.

Wertung: 

Die spannungsgeladene Story, die wundervollen Charaktere und der tolle Schreibstil haben mich in atemberaubender Geschwindigkeit durchs Buch getragen. Einzig der aufkommenden Gewalt und den vielen Erzählsträngen ist es geschuldet, dass ich dem Buch nicht die volle Punktzahl geben kann. Da ich aus diesen Gründen die Altersempfehlung ebenfalls nicht ganz teile, erhält Band 2  abzüglich meiner Kritikpunkte  von mir 3,5 Lila-Lesesterne und eine Leseempfehlung.