Dienstag, 29. September 2015

E-Book-Rezension: "Die Erwachte" (Sabine Schulter)





Titel: Die Erwachte
Reihe: Band 1 aus der Reihe "Die Geschichte von Sin und Miriam"
Dateigröße: 1665KB
Seitenzahl der Printausgabe: 598
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis:  3,99 Euro

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Klappentext:

Die Welt ist nicht immer das, was man jahrelang zu glauben gedacht hat. Das muss auch Miriam feststellen, als sie durch ihr Erwachen plötzlich eine magische Sicht entwickelt und in unserer Welt nun Wunder erlebt, die sie nie für möglich gehalten hat. Doch ihre neugewonnenen Fähigkeiten sind nicht nur von Vorteil für sie. Ihre Art ist unglaublich selten, wodurch sie zur Zielscheibe für die Suchenden wird, Monster ohne Skrupel, die nur liebend gern an ihr außergewöhnliches Blut wollen. 
Sie allein wäre vollkommen hilflos, wenn es nicht Wächter geben würde, die Miriam schützen und ihr eigenes Leben in Gefahr bringen, um ihren Schützling vor den gierigen Klauen ihrer Gegner zu bewahren. Vor allem Sin ist nun stets an ihrer Seite, was Miriam eigentlich stören sollte, doch erobert der charmante Wächter schnell ihr Herz. 
Obwohl Miriam nur zu gern ihr altes Leben weiterführen würde, zwingen die Umstände sie dazu, sich zu entscheiden. Entweder sie versteckt sich, von ihren Wächtern geschützt oder sie stellt sich zusammen mit ihnen einem Feind, der übermächtig scheint.

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Story und Charaktere:

Miriam ist eigentlich eine ganz normale junge Frau mit einem ganz normalen Alltag. Sie geht zur Uni, studiert dort Medizin und verbringt in ihrer Freizeit viel Zeit mit ihrer besten Freundin Sophie. Nie im Leben hätte sie damit gerechnet, dass sich dieser normale Alltag als Trugschluss erweisen könnte, denn alles ist ganz anders als sie denkt. Miriam ist nicht einfach nur Miriam. Miriam ist „die Erwachte“. Von einem Tag auf den anderen gerät ihr Leben in völlig neue Bahnen. Sie kann plötzlich furchteinflößende Wesen sehen und Magie in der Luft erkennen, außerdem entpuppt sich ihre beste Freundin als Wächterin, die unter dem Decknamen Storm für eine geheime Organisation zum Schutz von Erwachten arbeitet und dann ist da auch noch die Sache mit der Königin, die Miriam nach ihrem Blut und ihrem Leben trachtet. Das Alles könnte ein Albtraum sein, wäre da nicht Sin – der smarte Typ, der sich als ihr erster Wächter herausstellt und der ihr Gefühlsleben ganz schön durcheinander bringt.

Miriam ist Anfang 20 und führt ein unbeschwertes Leben. In ihrer kleinen, aber gemütlichen Wohnung in München fühlt sie sich pudelwohl und mit der Entscheidung Medizin zu studieren, hat sie alles richtig gemacht. Sie ist warmherzig, lebensfroh, selbstlos, humorvoll, schlagfertig, intelligent und in ihrer Wesensart trotzdem sehr ruhig. All diese Eigenschaften behält sie das komplette Buch über bei und wirkt dadurch sehr authentisch.
Nach ihrem zugegebenermaßen doch etwas ekligen Erwachen, ist sie sehr beherrscht und findet sich schnell in ihrer neuen Rolle ein. Etwas, was mich sehr erstaunt hat, denn dem menschlichen Naturell würde ich eine andere Reaktion zuschreiben. Das ist jedoch das, was den Charakter von Miriam so interessant macht: Sie folgt keinem Mainstream, ist nicht darauf zugeschnitten, in Schubladen gesteckt zu werden und damit auch kein typischer Buchcharakter, den man schon tausendfach gesehen hat. Miriam bleibt in allem was sie tut sich selbst treu und das, obwohl bei ihr vor allem alle anderen Menschen ihrer Umgebung im Vordergrund stehen.
Die einzige Person, die es schafft, Miriam aus der Bahn zu werfen, ist Sin. Ihm kann sie einfach nicht widerstehen – eine Tatsache die sie sich lange nicht eingestehen will.
Sin hat die letzten Jahre in Ägypten verbracht und kehrt nun als ihr erster Wächter zurück. Vor seiner Zeit in Ägypten hat er Miriam bereits bewacht und kennt sie somit ganz gut. Erst mit ihrem Erwachen jedoch, kommt er ihr näher. Sin hat definitiv alles, was ein junger Mann braucht, um reihenweise Herzen höher schlagen zu lassen. Das passiert sogar beim Lesen ganz von selbst. Sin verkörpert nicht nur den gutaussehenden Sonnyboy, sondern hat auch charakterlich einiges auf dem Kasten. Er ist sehr verantwortungsbewusst, durchsetzungsfähig, gut organisiert und sehr herzlich. Trotz seines Charmes und seiner Wirkung auf Frauen, ist er keinesfalls arrogant, sondern einfach sympathisch und sehr liebenswert. Vor allem dadurch, dass auch immer wieder ein paar seiner Schwächen in den Vordergrund treten, muss man Sin als Leser einfach mögen.

Über die anderen Charaktere möchte ich gar nicht zu viel sagen. Fire und Storm, die ebenfalls an Miriams Seite stehen, erhalten geauso viel Platz in der Geschichte, wie die beiden Hauptcharaktere. Die Nebencharaktere sind ebenfalls alle sehr schön ausgearbeitet, sodass man von jeder auftauchenden Figur einen guten Eindruck erhält.
Auf Seiten der Bösen braucht es nicht viele Worte, da diese vor allem durch ihr Handeln auffallen und sich dadurch selbst charakterisieren.

Was mir besonders gefallen hat:

„Die Erwachte“ aus der Feder von Sabine Schulter ist der Auftakt zu einer Trilogie, die in einem Universum spielt, das direkt vor unserer Haustür liegt. Die Autorin zeigt, dass es nicht nötig ist, eine komplexe neue Welt aufzubauen, wenn das Gute doch so nahe liegt. Setting ist München, sodass hier keine Einführung in eine neue Welt nötig ist. Sabine Schulters Welt der Magie nimmt einfach nur mit in eine Welt hinter dem Schleier des Verborgenen, den wir Normalsterblichen nicht lüften können.   Wer also auf der Suche nach einem Buch mit weit entfernten Welten ist, ist hier fehl am Platz.
Durch die Wahl der hiesigen Welt als Schauplatz für das, was Sin und Miri erleben, bietet sich sehr viel Raum für andere Dinge, auf die in diesem Buch mehr Wert gelegt wurde.
Man sollte meinen, dass in einem Fantasyroman das Geschehen um den Fantasykontext im Fokus steht. Dies ist hier jedoch nicht der Fall. So, wie schon Miri nicht dem Hauptcharaktermainstream folgt, so folgt auch die Geschichte nicht dem typischen, zu erwartenden Aufbau eines Fantasyromans. Der erste Band dieser Reihe befasst sich vor allem mit einem – den Charakteren und ihren Beziehungen zueinander. Im Vordergrund stehen ganz klar die handelnden Personen. Dabei wird das Buch dem Leser aus zwei Richtungen präsentiert – aus der Ich-Perspektive Miriams und aus der Sicht Sins, der als auktorialer Erzähler fungiert. Eine Art des Erzählens, an die ich mich anfangs zwar gewöhnen musste, die mir aber letztlich sehr gut gefiel. Gerade durch diese Art der Erzählung, ist es dem Leser möglich, an ihm fehlende Informationen zu kommen, die Miriam einfach noch nicht hat und umgekehrt, kann er genau verfolgen, wie es in Miriam aussieht. Eine tolle Sache, die zur Dynamik des Buches beiträgt.
Die Geschichte, die das Buch erzählt, die Magie, die Fantasie, auf die man gespannt sein darf – all das wird um die einzelnen Charaktere herumgesponnen. Die Spannung des Buches liegt somit nicht auf dem Fantasyanteil, sondern tatsächlich auf den zwischenmenschlichen Beziehungen, die hier sehr detailiert dargestellt werden. Es rummst und kracht zwar hier und da und natürlich gibt es auch einige brenzlige Situationen, doch besteht daraus nicht der Hauptteil des Buches. Gerade weil alles so anders ist, konnte mich das Buch begeistern. Schön finde ich, dass die Autorin der Geschichte genug Zeit geschenkt hat, um dem Leser alles aus allen Bereichen zu verdeutlichen, nahe zu bringen und zu erklären. Generell stellt man fest, dass hier sehr viel Wert auf Details gelegt wird. Auch die kleinen Szenen bekommen ihren eigenen Raum, werden ausgeschmückt und fügen sich so wunderbar in den Text ein.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr locker, der Sprachstil sehr einfach gehalten. So eignet sich das Buch auch als Lektüre für „zwischendurch“, da man immer wieder ganz leicht in die Story zurückfindet. Es ist kein Index nötig, um die einzelnen Fantasyelemente zu verstehen, unnötige Wiederholungen können vermieden werden, man kann sich als Leser völlig auf den Text einlassen und einfach für ein paar Stunden in München abtauchen.
Im Hinterkopf behalten muss man hier, dass wir es hier mit einer Autorin zu tun haben, die aus dem Selfpublisher-Bereich kommt und dieses Projekt selbstständig auf die Beine gestellt hat. Ich stelle immer wieder fest, wie erfrischend es ist, Bücher aus diesen Reihen zu lesen, da sie eben nicht die typische Erwartungshaltung erfüllen und so dazu beitragen, selbst alteingesessene Leser noch zu überraschen. So kommt frischer Wind ins Bücherregal, der sich allen Regeln des Verlagswesens entzieht und seine ganz eigene Richtung beibehält.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Die zwei Dinge, die mir an diesem Buch nicht so gut gefallen haben, entspringen vollständig meinem persönlichen Geschmack und fließen deshalb nicht mit in die Wertung ein. Ich selbst habe immer Probleme damit, wenn englische Namen verwendet werden, das Buch aber in Deutschland spielt. In diesem Buch ist mir natürlich klar, dass es Decknamen geben muss und die englischen Bezeichnungen wurden auch passend zu den Charakteren gewählt, doch gefällt es mir persönlich einfach besser, wenn auf einem deutschen Setting auch deutsche Namen verwendet werden.

Die zweite Sache ist, dass das Buch an einigen Stellen ein wenig an Fahrt verliert und von einem hohen Berg zurück ins tiefe Tal führt. So erhält die Geschichte zwar mehrere Höhepunkte und muss sich nicht kontinuierlich steigern, lässt den Leser durchatmen, verschnaufen und zur Ruhe kommen – doch hier und da hätte ich mir ein paar weniger Details gewünscht, die zwar nett zur Geschichte gepasst haben, aber nicht zu derem Gelingen notwendig gewesen wären. Ich muss allerdings dazusagen, dass mich vor allem die Geschichte um Sin und Miri immer wieder in den Wahnsinn getrieben hat, sodass es mir bis zu einem bestimmten Punkt gar nicht schnell genug gehen konnte und ich einfach tierisch ungeduldig wurde. Manchmal hätte ich die zwei am liebsten genommen und durchgeschüttelt.

Zusatz Leseempfehlung:

Da es sich bei diesem Buch um ein sehr ruhiges und seichtes Buch handelt, dessen Fokus vor allem auf zwischenmenschlichen Beziehungen liegt, empfehle ich dieses Buch vor allem an Leser, die sich auch im Bereich Romantasy zuhause fühlen, ausschweifende, detailreiche Schilderungen beziehungstechnischer Dinge mögen und kein großes Gemetzel brauchen, um sich in einem Buch wohlzufühlen. Wer einen jungen Mann zum Anschmachten sucht, sich die Haare raufen will, weil die Protagonisten einfach nicht den Mund aufkriegen und wer mitfiebern möchte, wenn dann doch die Hölle losbricht – der ist hier genau richtig.

Gestaltung:

Hier haben wir es mit einem sehr einfachen Cover zu tun, das vor allem durch seine Farbgebung in den warmen Herbsttönen ins Auge fällt. Motivisch wird es durch Herbstblätter geziert, die zunächst keinen Rückschluss auf den Inhalt zulassen. Die Komposition des Covers mit der gewählten Schrift und der herbstlichen Motivwahl gefiel mir persönlich anfangs nicht so gut. Nach dem Lesen des Buches muss ich allerdings sagen, dass zumindest die Motivwahl sehr genau bedacht worden zu sein scheint – doch möchte ich dazu nicht zu viel verraten.
So unscheinbar dieses Buch also anfänglich auch wirkt - der Leser wird überrascht sein, welche Form des Inhalts ihn hier erwartet.

Wertung:

Mit „Die Erwachte“ ist der erste Teil einer Trilogie bei mir eingezogen, auf deren weitere Bände ich sehr gespannt bin. Eigentlich habe ich Liebesgeschichten dieser Art abgeschworen, doch Sin und Miri haben es geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen. Ich bin gespannt, was die beiden und ihre Freunde noch zusammen erleben werden. Gerne vergebe ich deshalb an den Auftakt dieser Trilogie 5 Lila-Lesesterne und eine Leseempfehlung.