Donnerstag, 18. Februar 2016

E-Book-Rezension: "Azur - wenn eine Diebin liebt" (Sabine Schulter)






Titel: Azur - wenn eine Diebin liebt
Reihe: Band 1 der Reihe "Azur"
Dateigröße: 1004 KB
Seitenzahl der Printausgabe: 260 Seiten
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis:  3,99 Euro

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Klappentext:
Jess ist die beste Traumdiebin des Landes und unter ihren Namen Azur fast zu einem Mythos aufgestiegen. Allerdings verabscheut sie das Stehlen und will lieber ein ganz normales Leben führen, wie jeder andere auch. Doch lässt Saphir, der Chef der Diebe, das nicht zu. Er hat sie in der Hand, entscheidet über ihr Leben und ihren Tod. 
Jess hat das weitestgehend akzeptiert. Bis sie Cedric und seine Freunde Vincent, Julian und Leander kennenlernt. Die vier sind Behüter, die nur dafür zuständig sind, Traumdiebe zu fangen: also sie. 
Doch die vier bieten ihr als Jess, nicht ahnend, dass sie eine Diebin ist, eine unvergleichliche Freundschaft an, die in ihr den Wunsch schürt, von der kriminellen Welt der Diebe fortzukommen. Vor allem als sie spürt, welche Anziehungskraft Cedric auf sie ausübt, zerbröckelt ihr altes Leben. Sie kann und will Cedric nicht entfliehen. Doch sie weiß ganz genau, dass sie kein Mitleid von ihm zu erwarten hat, wenn er herausfindet, dass sie eine Diebin ist.

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Story und Charaktere:

Jess ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, das ein ganz normales Studium absolviert, ganz normal nebenher in einem Deko-Laden arbeitet und ganz normal gerne ins Cafè geht. Dieser normale Anschein trügt jedoch, denn Jess ist mehr als das nette Mädchen von nebenan. Neben all den normalen Dingen in ihrem Leben, arbeitet sie „hauptberuflich“ und nicht ganz freiwillig für Saphir – den Leiter der gefährlichsten und erfolgreichsten Diebesgilde des Landes. In seinem Auftrag stiehlt Jess, die unter dem Namen „Azur“ bekannt ist, die schönen Träume der Menschen in Form von Traumperlen. Dabei ist sie immer auf der Flucht vor den Behütern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Traumdiebe dingfest zu machen und hinter den Kopf der Gilde zu kommen.
Eines Tages passiert, womit niemand gerechnet hat: Jess hat ausgerechnet das Cafè eines Behüters zu ihrem Lieblingsplatz auserkoren. Dort trifft sie auf die Behüter Cedric, Vincent, Julian und Leander – vier tolle Typen, mit denen Jess sich, entgegen aller Regeln, anfreundet. Diese Freundschaft und das Band, das sich zwischen ihr und Cedric entwickelt, bestärkt sie in ihrem Wunsch, den Dieben den Rücken zu kehren. Doch dazu muss sie erst einmal zwei Dinge tun: Den Behütern beichten, dass sie eine Diebin ist und einen Weg finden, der Gilde zu entkommen. Was wird passieren, wenn sie ihr Geheimnis lüftet?

Jess ist eine junge Frau, die in ihrem Leben schon einiges mitmachen musste. Das betrifft vor allem die Machenschaften der Gilde, in der sie aufgewachsen ist und die sie zu dem gemacht haben, was sie heute verkörpert – die beste Traumdiebin weit und breit – die Meisterdiebin. Dieser Job macht ihr nicht unbedingt viel Spaß, stiehlt sie dabei doch die schönen Träume der Menschen, bis sie von Albträumen verfolgt werden. Da sie sich sehr nach einem normalen Leben sehnt, versucht sie, sich ein solches so weit wie möglich aufzubauen. Dazu gehört ein Studium, genauso wie eine eigene Wohnung außerhalb der Gilde und ein Job, mit dem sie ihr eigenes Geld verdienen kann.
In ihrer Rolle als „Azur“ wirkt Jess sehr selbstbewusst, manchmal geradezu überheblich und sehr zielstrebig. Sie ist flink, wendig, ungeheuer schnell und scheint den nächsten Schritt der Behüter schon voraussehen  zu können, bevor sie ihn getan haben. Ihre Sinne sind geschärft, sodass ihr nichts entgeht und sie kaum in Schwierigkeiten gerät. Sie wirkt ungeheuer tough und ist wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Diese Person hat jedoch nichts mit der eigentlichen Jess gemeinsam.
Die „echte“ Jess ist das genaue Gegenteil. Sie weiß oft nicht, ob die Dinge, die sie tut, die Richtigen sind, sie stellt sich häufig selbst infrage, ist zurückhaltend und anderen Menschen gegenüber geradezu scheu. Sie mag keine Berührungen und zieht sich schnell zurück, wenn man ihr zu nahe kommt. Sie ist ein sehr unsicherer Mensch und muss alles mehrfach durchdenken, bevor sie schließlich ihr Denken in Handeln umsetzt.
Gerade als es darum geht, Cedric und den anderen Jungs zu offenbaren, dass sie eine Diebin ist und den Umgang mit ihren Gefühlen Cedric gegenüber zu erlernen, erkennt man, wie verletzlich und harmoniebedürftig sie ist. Die Freundschaft mit den Jungs steht plötzlich im Vordergrund – etwas, was sie bisher nicht erlebt oder gekannt hat. Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft sind zwei Dinge, die Jess bisher noch nie entgegengebracht wurden und mit denen sie erst umzugehen lernen muss. Wie gut, dass vor allem Cedric bereit ist, ihr dabei zu helfen.

Cedric ist ein junger Mann, der auf Seiten der Behüter steht, Diebe wie Jess jagt und in Gewahrsam nimmt. Ausgerechnet „Azur“ scheint ihm und seinen Freunden aber immer wieder zu entwischen, was ihn maßlos ärgert. Cedric verkörpert nicht den typischen, stereotypisierten, gutaussehenden Sonnyboy, den man in einem Fantasy-Jugendbuch dieser Art erwarten würde. Er scheint äußerlich eher zu den Draufgängern zu gehören – mit seinen Piercings, den Stiefeln, der Behüterkleidung und der Zigarette im Mund.
Sein Charakter ist ein Mosaik verschiedener Eigenschaften, die sich situationsbedingt zeigen und die mich als Leserin immer wieder überrascht haben. Er besitzt eine breite Palette an Wesenszügen, die man ihm zum Teil gar nicht zutrauen würde. Das Draufgängerische beherrscht er genauso wie das Sanfte, das Humorvolle genauso wie das Ernste, das Hilfsbereite genauso wie die Ablehnung. Meist scheint er ein rational denkender Mensch zu sein, der sich nur schwerlich von seinen Gefühlen leiten lässt. Leiten diese ihn dann jedoch einmal, handelt er sehr impulsiv und nicht immer richtig. So wird Cedric ein Charakter, der auf mich sehr authentisch wirkt und vor allem auch ein paar Ecken und Kanten hat.

Da diese beiden Charaktere die Hauptcharaktere des Buches sind, möchte ich über die weiteren Personen nicht allzu viel sagen. Alle Charaktere haben ihre individuellen Eigenschaften, jeder hat eine Wiedererkennungswert und alle wurden soweit ausgearbeitet, dass man ein klares Bild der einzelnen Personen vor Augen hat. Das ist etwas, was ich persönlich sehr wichtig finde, da mir sonst der Bezug zu den einzelnen Figuren fehlen würde.

Was mir besonders gefallen hat:

Wer bereits die Geschichte von „Sin und Miriam“ aus der Feder von Sabine Schulter gelesen hat, weiß um den lockeren, flüssigen Schreibstil und den einfachen Sprachstil der Autorin. Zwei Dinge, die ich zum Abschalten brauche und die mir auch in diesem Buch wieder „geliefert“ wurden. Obwohl ihre Welt eine eigene Form von Komplexität aufweist, die gut durchdacht zu sein scheint, hat man als Leser keinerlei Schwierigkeiten, sich in eben dieser, mit all ihren eigenen Regeln, zurechtzufinden. Es scheint eher so, als wäre diese Welt ein wirklicher Teil unserer eigenen Welt, die sich genau so jeden Tag vor unseren Fenstern und in unseren Schlafzimmern abspielen könnte. Das macht es sehr einfach, sich in der Story zu verlieren.

Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Cedric von Jess – dies geschieht abwechselnd und lässt den Leser so beide Seiten der Hauptcharaktere sehen. Das ist vor allem deshalb spannend, weil man immer schon mehr weiß, als der jeweilige Part, der gerade nicht „spricht“. So regen diverse Situationen den Leser zum Schmunzeln an, vor allem dann, wenn klar wird, dass nicht unbedingt gesagt wird, was gedacht wird und umgekehrt. Mir hat dieses Hin und Her sehr gut gefallen, konnte man sich so doch in beide Personen hineinversetzen und einige Handlungsweisen besser verstehen.

Die Autorin scheint ein Faible dafür zu haben, Geschichten zu schreiben, in denen es nicht um die Spannung der Handlung, die sich als roter Faden durch das Buch windet, geht, sondern um zwischenmenschliche Beziehungen. Tatsächlich stehen nicht die spannungsgeladenen Szenen eines Traumdiebstahls und die Verfolgung der Traumdiebe im Vordergrund, sondern die Geschichte rund um Jess und ihre Behüterfreunde. Es geht um die Entwicklung der Charaktere, die Entwicklung der Beziehungen untereinander, um Freundschaft und das, was eine solche ausmacht. Es geht um Emotionen, rationales und intuitives Handeln, um ein gigantisches Spektrum verschiedener Wesenszüge und zusammengefasst: um die Personen an sich. Aufgebrochen wird all das durch die Geschichte, die sich um diese Dinge herumwebt. Spannung wird somit auf zwei Arten vermittelt: durch Stunts und Verfolgungsjagten, sowie durch das Katz und Maus Spiel einer sich anbahnenden Liebesgeschichte. Dabei steht die emotionale Spannung klar im Vordergrund. Wer also in Erwartung eines spektakulären Abenteuers und einer Geschichte um Traumdiebstahl und Verfolgungsjagten ist, könnte sich falsch beraten fühlen. Wer sich allerdings gerne in Geschichten, um die Personen einer Geschichte verliert, ist hier goldrichtig.

Erwähnenswert finde ich außerdem, wie die Autorin, die völlig ohne professionelles Lektorat und Verlag im Selfpublishingbereich publiziert, ihren Schreibstil während des Buches steigert. Zu Beginn kam mir der Schreibstil auf Seiten Cedrics recht hölzern vor, als hätte sich die Autorin selbst erst in ihre Figur und deren Charakter einfinden müssen. Dies verliert sich jedoch immer mehr, bis Cedric ein genauso klarer Charakter ist, wie Jess.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Wer meine Rezensionen kennt und weiß, welche Art von Büchern ich gerne lese, weiß, dass ich mich mit Liebesgeschichten sehr schwer tue – vor allem mit solchen, in denen das Paar vor lauter Zweifelei einfach nicht zusammenfindet. Obwohl ich finde, dass Cedric und Jess zwei sehr authentische Charaktere sind, war mir ihr Gedankenspiel um ihre Beziehung oder Nicht-Beziehung doch hier und da ein wenig zu dick aufgetragen. Vor allem Jess Selbstzweifel, die hier und da so gar nicht zu ihrem Handeln passen wollten, haben ab und an ganz schön meine Nerven strapaziert.
Außerdem gibt es Etwas, was ich überhaupt nicht leiden kann und das sind Cliffhanger. Und dieses Buch endet mit einem genau solchen – wie gut, dass Band 2 quasi schon vor der Tür steht. Das ist aber wohl Geschmackssache.

Gestolpert bin ich beim Lesen leider wiederholt über diverse , immer wiederkehrende Zeitenfehler, die wohl dem fehlenden Lektorat geschuldet sind. Ich würde mir für die Autorin sehr wünschen, ihre Bücher einges Tages in einem professionellen Verlag unterzubringen, um das Buch zu einem noch größeren Lesevergnügen zu verhelfen, indem solche Fehler ausgemerzt werden.

Gestaltung:

Passend zum Titel, ist das Cover blau-weiß gehalten, einzig unterbrochen durch die roten Lippen des abgebildeten Oberkörpers einer Frau, die eine Waffe in der Hand hält. In Anbetracht dessen, dass es um Jess geht, die die Hauptcharakterin des Buches ist, ist die Wahl, eine Frau auf dem Cover abzubilden, sicherlich nachvollziehbar. Die Waffe in ihrer Hand verstehe ich allerdings nicht. Auch finde ich persönlich nicht, dass die abgebildete Frau der Diebin entspricht, die sich im Kopf während des Lesens des Buches manifestiert.

Wertung:

Eine Meisterdiebin, eine Diebesgilde, Traumperlen und Behüter der Träume – das sind die Grundzutaten dieses ersten Bandes um „Azur“ die Traumdiebin. Sabine Schulter hat eine faszinierende Welt um das Wunder der Träume geschaffen, die mir sehr gut gefallen hat. Da mir Story und Charaktere gleichermaßen gefallen haben, ich den lockeren Schreibstil und den einfachen Sprachstil sehr schätze, aber auch einige Kritikpunkte hatte, vergebe ich für den ersten Band der Reihe 4 glitzernde Lila-Lesesterne sowie eine Leseempfehlung und bin gespannt auf den zweiten Band.



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